I am what I am

Zum 70-jährigen Jubiläum des Südwesttextil-Mitglieds Doris Streich besuchten Simone Diebold und die Go Textile!-Posterin Rebekka Rüth gemeinsam das Unternehmen.

Oliver Streich und Rebekka Rüth bei der Besichtigung der Produktion
Foto: Oliver Streich und Rebekka Rüth bei der Besichtigung der Produktion
© Südwesttextil

„I am what I am“ – so lautet das Motto bei Doris Streich in Balingen, ein Familienunternehmen, das in diesem Jahr 70-jähriges Firmenjubiläum feiert. Wer bei diesem Wahlspruch sofort an den Wohlfühlsong aus dem Jahr 1983 denkt, ist nicht weit entfernt von dem, was Doris Streich mit ihrer Mode an Frauen weitergeben möchte. Ich bin, was ich bin, und dafür brauche ich mich nicht zu entschuldigen. Wo andere Unternehmen aus Angst vor Imageproblemen bei einer schlanken Größe 42 Schluss machen, bietet Streich die gleiche Kollektion für Frauen von Größe 36 bis 54 an. Mit ihren Kollektionen spricht das schwäbische Unternehmen die authentische, selbstbewusste Frau an, die Mode und Qualität schätzt und im Leben etwas erreicht hat. Diese Markenidentität wird bereits in der dritten Generation innerhalb des Familienunternehmens gehegt und gepflegt.

Die Produktion nahm 1947 mit zwei Nähmaschinen ihren Anfang. Verarbeitet wurde alles, was in der Nachkriegszeit verfügbar war, denn die Not war groß. Von Herrenhemden, die schnell anderswo automatisiert produziert werden konnten, wechselte die Spezialisierung zu Beginn der 60er Jahre zu Damenblusen. Ende der 70er Jahre fand dann der Generationswechsel innerhalb des Unternehmens statt und „Blusen Streich“ – bekannt für seine Dallas- und Denver-Kollektionen – wurde entsprechend dem Trend zu „lässigerer“ Mode, um bequeme Kombinationsteile aus Jersey erweitert. Seit Mitte der 80er Jahre bietet Streich alle Produktgruppen der Damenoberbekleidung, außer Wäsche, an.

70 Jahre Doris Streich 2
70 Jahre Doris Streich 2
Foto: © Südwesttextil
Foto: © Südwesttextil

Heute wird das Unternehmen von den Geschwistern Oliver und Birgit Streich geführt. Und beim Rundgang durch den Betrieb, zeigte der Inhaber immer wieder, wie sehr ihm das Unternehmen, die Marke und auch die Kundinnen am Herzen liegen. Wenn es um seine Familie und das Unternehmen geht, spricht er dankbar über den natürlichen Übergang von Generation zu Generation und die Art, wie er und seine Schwester, die den Bereich Marketing und Design verantwortet, in das Unternehmen hineinwachsen konnten.

Doch nicht nur personell hat sich in den letzten 70 Jahren einiges verändert. Das, was es bei der Gründung noch zu wenig gab, gibt es heute im Überfluss. Manche Kleidungsstücke, wie der Blazer, sind komplett aus den Kollektionen verschwunden, Kleider haben hingegen immer mehr an Bedeutung gewonnen. Produziert wird zur Hälfte in Lohnbetrieben in Polen und Mazedonien, und die andere Hälfte wird als Zukauf aus der Türkei, Griechenland und Fernost beschafft. Bei allen Lieferanten wird großer Wert auf langfristige Beziehungen gelegt, um die Kollektion in einem Qualitätsstandard und einer Passform zu gewährleisten. In Balingen arbeiten 50 Mitarbeiter. Neben der Prototypenfertigung ist der Heimatort Dreh- und Angelpunkt für Verwaltung, Logistik mit 120 000 Artikeln (20 000 als NOS), Kollektionsentwicklung und Qualitätskontrolle. Das Herzstück ist selbstverständlich die Kollektion, die in der Produktentwicklung wohl die meiste Energie, Liebe und Zeit konsumiert. So sind gerade die Entwicklung der Passform und die Weiterentwicklung des Designs, um in allen Größen und verschiedenen Proportionen bei jeder Frau die Vorteile zu unterstreichen, besonders zeitintensive Bereiche.

Das erfordert deutlich mehr Kommunikation mit Kunden und Lieferanten als noch vor zehn Jahren. Mit Hilfe von elektronischem Datenaustausch, einer automatisierten NOS-Nachlieferung und einem B2B-Onlineshop für den Fachhandel versucht Streich. die Lieferkette und die Kommunikation möglichst effizient zu gestalten. Für die Zukunft sieht Oliver Streich vor allem ein Überdenken der Branchenstrukturen kommen und hofft, dass die Beziehungen des Unternehmens intensiviert und Potenziale im Zusammenspiel mit Partnern noch besser genutzt werden können.

Wir bedanken uns für einen spannenden Tag in Balingen und freuen uns mit Ihnen auf hoffentlich weitere 70 Jahre voller Streich Mode aus dem Südwesten!

Rebekka Rüth