Abtasten in der Talfahrt

Textiltarifrunde startet mit moderaten Tönen

Verhalten im Ton, aber unnachgiebig in der Sache ist die IG Metall am 29. Januar in Bad Homburg in die Auftaktverhandlung zur textilen Entgelttarifrunde 2009 gestartet. Ungeachtet der wirtschaftlichen Risiken, denen die meisten Unternehmen der Branche derzeit ausgesetzt sind, begründeten Gewerkschaftsvertreter ihre Forderung nach einer Erhöhung der Entgelte um 5,5 Prozent ab März dieses Jahres. "Wir brauchen mehr Geld, damit uns die Kosten nicht nach unten ziehen", sagte IG Metall Verhandlungsführer Michael Jung. Von steigenden Reallöhnen würden gerade auch die Textil- und Bekleidungshersteller profitieren, die bisher ihre Umsätze überwiegend im Ausland erwirtschaftet hätten.
Wolfgang Brinkmann, Verhandlungsführer der Arbeitgeber, verwies demgegenüber auf die beängstigende Lage eines großen Teils der Unternehmen. Viele wüssten nicht, was morgen sei. Das Ausbleiben des Auftragseingangs lasse seriöse Planungen für das laufende Jahr nicht zu. Deshalb sei die Vereinbarung jeder zusätzlichen Kostenbelastung wie ein ungedeckter Scheck auf die Zukunft.
Viele Firmen hätten ihre Arbeitszeitkonten heruntergefahren. Ein Großteil sei gegenwärtig bereits in Kurzarbeit oder plane dies für die nächsten Monate. Er forderte die IG Metall auf, gemeinsam mit den Arbeitgebern über eine sinnvolle Strategie zur Steuerung der Talfahrt nachzudenken. Die Tarifrunde wird am 11. Februar fortgesetzt.
Unterdessen hat Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser angekündigt, dass viele Metallunternehmen die für Mai vereinbarte Tariferhöhung von 2,1 Prozent nicht bezahlen könnten. Er appellierte an die Gewerkschaft, sich einer Verschiebung der Tarifsteigerung nicht zu verweigern. Die Unternehmen müssten sich 2009 voll darauf konzentrieren, "möglichst lebend und einigermaßen unversehrt aus der Krise zu kommen", so Kannegiesser. IG Metall-Chef Berthold Huber erwiderte, dass eine Verschiebung der Tariferhöhung nur im Ausnahmefall denkbar sei.