Altersteilzeit höchst umstritten

Sozialpolitischer Ausschuss diskutiert Tarifrunde

Neben dem aktuellen Verhandlungsstand bei den Manteltarifverträgen war die ergebnislose zweite Tarifverhandlungsrunde in Heidenheim am 17. Oktober Beratungsgegenstand des Sozialpolitischen Ausschusses von Südwesttextil. Gleich zu Beginn der Aussprache am Flughafen Stuttgart warnte der Finanzvorstand der Paul Hartmann Gruppe und Sprecher des Sozialpolitischen Ausschusses, Stephan Schulz, vor einem überzogenen Lohnabschluss. Die bisherigen Konjunkturdaten legten nahe, dass sich der Wind drehe. Diese Einschätzung wurde von den Firmenvertretern bestätigt, die Auftragseinbrüche teils schon im zweiten und dritten Quartal des Jahres 2014 feststellen mussten. Die Gründe hierfür reichten vom Strukturwandel und Rückgang im Einzelhandel bis zum erhöhten Preisdruck in der Automobilindustrie sowie von Einbrüchen im russisch-ukrainischen Markt bis zu den gestiegenen Kosten bei der EEG-Umlage und Farbstoffen.

Eine hohe Flexibilität und „Stellschrauben“ zur firmenindividuellen Umsetzung des Tarifabschlusses wurden als unumgänglich bezeichnet. Dies insbesondere vor dem Hintergrund einer Reallohnentwicklung weit über der Inflation.

Die Forderung der IG Metall nach einer verpflichtenden Altersteilzeit stieß weiter auf Unverständnis. Zum einen wegen der Erhöhung des Personalkostenblocks durch zu zahlende Aufstockungsbeträge und zusätzliche Beiträge zur Rentenversicherung, den die Gewerkschaft nicht mit ihrer Entgeltforderung verrechnet sehen will. Als mindestens ebenso gewichtig wurden die einhergehenden Rückstellungsverpflichtungen und die Insolvenzsicherung angesehen, die die Firmen und deren Bilanzen erheblich und unverhältnismäßig belasten würden. Weiterhin können die Unternehmer auch in der Altersteilzeit keine richtige Antwort auf die demografischen Probleme sehen. Vielmehr würde das Ausscheiden von älteren Mitarbeitern erleichtert mit der Folge der Firmengefährdung, da vom Arbeitsmarkt kaum noch Fachkräfte oder Auszubildende nachkämen. Die Firmen bräuchten mehr qualifizierte ältere Mitarbeiter, nicht weniger. Angemahnt wurde stattdessen eine tarifliche Öffnungsklausel zur Einführung von Langzeitkonten. Gestaltungsmöglichkeiten auf dieser Basis seien zukunftsweisend und auch für Arbeitnehmer attraktiv gestaltbar.

Mit breiter Zustimmung wurde der Verhandlungsstand zur Vereinheitlichung der Manteltarifverträge entgegengenommen. Das außerhalb der Tarifrunde verhandelte einheitliche Regelwerk für Angestellte und gewerbliche Arbeitnehmer der Textil- und Bekleidungsindustrie wurde nur im Punkt Mehrarbeitsabgeltungspauschale beanstandet. Dieser Punkt sowie die Feinabstimmung und Übergangsregelungen werden weiter mit der Gewerkschaft besprochen, bevor die Tarifverträge endgültig verabschiedet werden können.