Auf Messers Schneide

Europas Textiler geraten bei der öl-, wasser- und schmutzabstoßenden Funktionalisierung von Textilien zunehmend ins Hintertreffen.

Die aktuellen Entwicklungen im Bereich der EU-Stoffpolitik stellen Europas Textiler vor große Schwierigkeiten. Selbst nach jahrelanger Forschung und unzähliger Industrieversuche können im Bereich der technischen Textilien die alternativ zu C8-Fluorcarbonprodukten entwickelten C6-Fluorcarbonprodukte häufig noch nicht überzeugen.

Die Herstellung und der Vertrieb von C8-Rohstoffen und Folgeprodukten sollte nach dem in 2006 beschlossenen Fahrplan des US-amerikanischen Environmental Protection (EPA) Agency-Stewardship- Programms in 2015 endgültig eingestellt werden. Vor allem in China und Taiwan wurde jedoch im letzten Jahrzehnt die Produktion von C8-Produkten bzw. -Rohstoffen stark forciert.

Aufgrund der Effektmängel bei den C6-Alternativprodukten und der Reindustrialisierungsbemühungen der USA mehren sich die Anzeichen, dass es auch dort nicht zu einem völligen Ausstieg aus der C8-Chemie kommt. Dies gilt insbesondere für militärische genutzte Textilanwendungen. Die europäische Chemikalienpolitik setzt hingegen den stringenten Kurs fort und plant mit weitgehenden PFOA-Restriktionen einen völligen Ausstieg aus der C8-Chemie ab 2016.

Die Zukunft der im letzten Jahrzehnt alternativ entwickelten C6-Chemie wird in dem vor Weihnachten veröffentlichten PFOA-Dossier der ECHA durch einen Grenzwert von 2 ppb der auf der Nachweisgrenze eingestellt ist gleich mit infrage gestellt. Eine solche Entwicklung wird neben der bereits REACH-mitinduzierten Farbstoffkrise und der CLP-Neueinstufung von Formaldehyd etc. abermals weitreichende Folgen für die Textilindustrie in Europa mit sich bringen.

Da die C8-Produkte ab diesem Zeitpunkt nicht mehr anwendbar wären, müsste die Veredelung dieser Textilien verlagert werden. Das kann nicht die Lösung für die globale Umweltsituation und die europäische Textilindustrie sein.

Die Lösung liegt vielmehr darin ein pragmatisches Vorgehen anzustreben. Zunächst sollte eine sich am technischen Fortschritt orientierte fortschreitende Produktumstellung auch in Europa möglich sein, die in ganz bestimmten Teilbereichen die Verwendung von C8-Chemie weiter ermöglicht, solange keine wirklichen technischen Alternativen vorhanden sind. Diese Möglichkeit besteht bei REACH.

Dies bedeutet Chancengleichheit für Europas Textiler und bewirkt nicht nur die Verlagerung von Produktion außerhalb Europas, sondern auch wirkliche Verbesserungen für die globale Umweltsituation.