Aufbruchsstimmung in Myanmar

Die Bekleidungsindustrie in Myanmar blickt zuversichtlich in die Zukunft

Nach politischen Reformen in dem südostasiatischen Land hat die EU im Herbst die Wiedereinführung von Zollpräferenzen angekündigt. Bald können Waren aus Myanmar daher zum Nullzollsatz in die EU eingeführt werden. Bis dato ist der Drittlandszoll zu entrichten, der bei Bekleidung in der Regel 12 Prozent beträhttp://gt.Doch auch für den Absatz in den schnell wachsenden ASEAN-Staaten ist Myanmar ein interessanter Produktionsstandort. Durch die Zollfreiheit innerhalb der ASEAN und das Freihandelsabkommen zwischen ASEAN und China ist auch die Beschaffung des Vormaterials kein Problem.

Soweit die Theorie. Tatsächlich beschränkt sich die myanmarische Bekleidungsbranche derzeit auf das Zuschneiden und Nähen im Auftrag. Lokale Zulieferer gibt es praktisch nicht. Der nationale Bekleidungsverband MGMA zählt derzeit etwas über 300 Mitglieder. Gegenüber der Konkurrenz in den Nachbarstaaten wie Vietnam oder Kambodscha ist die Branche in Myanmar also eher ein Zwerg - noch. Denn die MGMA geht davon aus, dass sich die Zahl der Unternehmen schon in den nächsten beiden Jahren verdoppeln könnte. Vor allem hofft man auf Investitionen aus Japan, Hongkong, Thailand und Südkorea, aber auch aus der EU.

Im vergangenen Jahr konnte Myanmar seine Exporte auf 836 US-Dollar steigern. Damit hat das Land nach Angaben von Germany Trade & Invest seinen bisherigen Ausfuhrrekord von 2001 übertroffen. Fast die Hälfte der Lieferungen geht in die USA, gefolgt von Japan, Korea und der EU. Innerhalb Europas ist Deutschland mit Abstand der wichtigste Abnehmer, 2012 lagen die deutschen Importe von Textil- und Bekleidungswaren aus Myanmar bei knapp 40 Mio. Euro.

SMART Myanmar Am 19. und 20. März fand in Rangun das offizielle Kick-Off des EU-finanzierten SMART Myanmar Projekts für Nachhaltigkeit in der Bekleidungsindustrie statt. Rund einhundert Teilnehmer, darunter Vertreter Myanmarischer Ministerien, der Wirtschaft, NGOs, internationaler Organisationen und der Europäischen Union nahmen als Zuhörer sowie als Impulsredner an der Kickoff-Konferenz teil. Der Gesamtverband textil+mode hatte die Gelegenheit, die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie, sowie seine Rolle im Projekt zu präsentieren. Noch dieses Jahr plant t+m eine Studienreise für Vertreter Myanmarischer Verbände und Ministerien nach Deutschland sowie einen Interessenvertretungs-Workshop in Rangun. Darüber hinaus soll ein Code of Conduct für die Textil- und Bekleidungsindustrie von Myanmar erarbeitet werden. In Kürze wird zudem eine Homepage des Projekts online gehen.

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