Aus der Textilforschung - WebTEXpert

Best Practice–Erfahrungsbericht über FMEA (Fehler-Möglichkeits- und Einflussanalyse)

Über die Ergebnisse des europäischen Forschungsprojektes WebTEXpert zum rechnergestützten Innovationsmanagement für die Textilindustrie haben wir mehrfach berichtet. Eine von den verschiedenen auf der WebTEXpert–Plattform hinterlegten Methoden ist die FMEA-Analyse.

Die FMEA ist die wichtigste und bekannteste Methode zur präventiven Qualitätssicherung im produzierenden Gewerbe. Erfahrungen mit dem Einsatz in der Textilindustrie waren bislang nicht verfügbar. Im Zuge der Forschungsarbeiten von WebTEXpert wurde in einem Webereiunternehmen, das modische Stoffe herstellt, eine FMEA durchgeführt und dokumentiert.
Dabei wurden ausgewählte Arbeitsprozesse aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet, Fehlermöglichkeiten festgelegt, deren Ursachen und Folgen analysiert und schließlich bewertet. Die Zusammenstellung des Untersuchungsteams aus Mitarbeitern, die verschiedenen Bereichen des Unternehmens angehören, sorgte dafür, dass das breite Spektrum von Erfahrungen und Kompetenzen innerhalb eines Unternehmens genutzt werden konnte.

Im vorliegenden Beispiel der durchgeführten FMEA wurden zwölf Arbeitsschritte innerhalb des Prozesses "Normalweben“ unterschieden. Insgesamt ergaben sich mit Untergliederung der einzelnen Fehler nach ihren Ursachen ca. 150 Merkmale, die einzeln bewertet wurden. Daraus folgten ca. 20 Maßnahmen zur Vermeidung von Fehlern für die schließlich Verantwortlichkeiten definiert wurden. Wichtig ist jetzt eine konsequente Verfolgung der Aktivitäten, bestenfalls durch einen verantwortlichen Mitarbeiter oder durch einen externen Dienstleister.

Mit der FMEA ist ein nahezu vollständiger Fehlerkatalog des Prozesses Normalweben entstanden, der je nach Bedarf noch erweitert werden kann. Dieser Katalog bringt auch bei der Fehlersuche Vorteile. Durch die verbesserte und institutionalisierte Kommunikation im Unternehmen ist das Verständnis bei den Mitarbeitern hinsichtlich anderer Prozesse im Betrieb gefördert worden. Das Spezialwissen Einzelner konnte an Andere vermittelt werden.

Die FMEA führte in diesem Fall zur Identifikation signifikanten Verbesserungspotentials innerhalb des Prozesses Normalweben. Zugleich wurde als Nebeneffekt viel Erfahrungswissen mit der FMEA festgehalten und durch die Mitarbeiter weiter entwickelt. Diese Analyse veranlasst das Unternehmen, zukünftig auch andere kritische Abläufe genau zu analysieren, um ein transparentes Gesamtbild der Risiken zu schaffen. Durch die Sensibilisierung der Mitarbeiter werden sich weitere Ergebnisse in den nächsten Workshops ergeben. Der Erfolg der einzelnen Maßnahmen wird sich schon im Laufe des nächsten halben Jahres messen lassen.