Von barock bis digital

Bei der Jahrestagung von Südwesttextil war zwischen Spinnerei und Schloss viel geboten.

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Foto: © Südwesttextil e.V.

Im Mittelpunkt der Betriebsführungen, die vor dem eigentlichen Start der Jahrestagung angeboten wurden, stand die Ettlin AG. Ein Paradebeispiel für die Verbindung von „Tradition und Innovation“, dem Motto der Tagung. Das Südwesttextil-Mitglied wurde 1836 als eine der ersten deutschen Aktiengesellschaften der Textilindustrie gegründet. Heute erforscht und produziert Ettlin unter der Führung von Rolf Heitlinger und Dr. Oliver Maetschke vor allem Technische Textilien. Ein Ergebnis dieser Entwicklungsarbeit ist das neuartige lichttechnische Spezialgewebe „Ettlin Lux“, das mithilfe einer LED-Hintergrundbeleuchtung dreidimensionale Tiefenmuster entstehen lässt. Das Ergebnis sind tolle Wand- und Deckenelemente, durch die Räume größer wirken. Aber auch in klassischeren Bereichen ist Ettlin stark – so liefert man die Einbände für deutsche Reisepässe, und bei den Trägergeweben für Schleifmittel sind die Badener sogar Marktführer.

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Foto: © Südwesttextil e.V.
Foto: © Südwesttextil e.V.

Von der textilen Gegenwart gelangten die Teilnehmer der Jahrestagung anschließend zurück in die Historie – in geschichtsträchtigen Gemäuern des Ettlinger Schlosses. Nach der Mitgliederversammlung, in der Matthias Eggle, kaufmännischer Direktor beim Hemdenmarktführer Olymp Bezner, neu in den Vorstand von Südwesttextil gewählt wurde, begrüßte Verbandspräsident Bodo Th. Bölzle Mitgliedervertreter und weitere Gäste im barocken „Schmuckkästchen“ des Schlosses, dem Asam-Saal mit seinem beeindruckenden Deckengemälde. Bölzle spann einen Bogen von den kriegerischen Zeiten, in denen das Schloss erbaut wurde und in denen der Feind schon jenseits des Rheins lauerte, bis zur heutigen Zeit, in der der Frieden in Europa und der Welt wieder brüchig scheint. Es sei an der Zeit, so Bölzle, unser Europa wieder offensiv als die Lösung vieler Probleme und nicht wie allzu oft als das Problem selbst anzusehen: „Als Unternehmer, Arbeitgeber, Vorgesetzte müssen wir viel offensiver eintreten für die Werte, die auch die Grundlage unseres wirtschaftlichen Erfolgs sind.“
Dieses Plädoyer fand Beifall, ebenso wie der Auftritt von Nina Brandt und Rebekka Rüth, zweier Studentinnen der Hochschule Reutlingen – die eine Textiltechnologin und Deutschland-Stipendiatin von Südwesttextil, die andere im Fach „International Fashion Retail“ zuhause und als Social-Media-Botschafterin der Nachwuchskampagne „Go Textile!“ aktiv. Sie erzählten, was sie an Textil fasziniert und was sie von künftigen Arbeitgebern erwarten. Südwesttextil-Hauptgeschäftsführer Peter Haas hatte die beiden ganz bewusst eingeladen, um auch in diesem Jahr wieder die enge Vernetzung des Verbands mit den textilen Ausbildungs- und Forschungsinstitutionen im Lande klarzumachen: „Das Textile Valley Baden-Württemberg steht und fällt mit qualifiziertem Nachwuchs. Junge Talente und kreative Forscher sind immer inspirierend für Unternehmensvertreter. Sie machen Hoffnung auf Zukunft. Deshalb müssen sie Teil unseres Branchentreffens sein.“ Am Buffet scharten sich schon rekrutierende Personaler um die beiden potenziellen Kandidatinnen.

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Foto: © Südwesttextil e.V.
Foto: © Südwesttextil e.V.

Einen besonderen Höhepunkt des Abends bildete der Überraschungs-Show-Act vom Beatbox-Europameister Robeat aus Esslingen, der Mund und Nase mit einem Mikro davor zur täuschend echt klingenden Rhythmusmaschine macht, und der zusammen mit der charmanten Harfenistin Cornelia Patzlsperger eine perfekte Mischung aus Klassik und Moderne bot, passend zum Motto „Tradition und Innovation“.
Auf diese Verbindung hob auch Ehrengast Thomas Strobl ab. Der stellvertretende Ministerpräsident zeigte in seiner Festrede auf, was im Land passieren muss, damit Menschen und Wirtschaft eine Zukunft haben. Seine These: „Die Digitalisierung verändert die Welt.“ Und er blieb nicht im Ungefähren, sondern zeigte sehr greifbar und lebendig auf, wie neue Technologien unseren Alltag beeinflussen und was der Staat tun muss, damit diese Veränderungen weiter zu Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit beitragen. Dann, so Strobl, der damit den Slogan von Südwesttextil zitierte, „bleibt auch Textil aus Baden-Württemberg der Stoff, aus dem die Zukunft ist.“