Bei Hightech-Fasern führend

Neue "Werkstoffe" zur Gesundheitserhaltung

Die deutsche Textilforschung ist mit Entwicklungen für den Gesundheitssektor wie Nervenleiter, Depotfasern zur gezielten Wirkstoffabgabe oder gewebten Implantaten weltweit führend. Ein Drittel der bundesweit 16 Textilforschungsinstitute, so das Forschungskuratorium Textil auf einer Pressekonferenz Anfang Februar in Berlin, ist mit diesem Forschungsschwerpunkt zugleich Inputgeber für textile Medizinprodukte über traditionelle Krankenhaus- und OP-Textilien hinaus.

Seit das ITV Denkendorf bereits vor 35 Jahren mit Hightech-Fasern für die Gesunderhaltung erste Schlagzeilen machte, gehören Mediziner, Biologen und Biotechnologen inzwischen zum Stammpersonal der Textilforschung. Auch die Hohenstein Institute sowie die Forschungseinrichtungen in Dresden, Greiz und Aachen zählten heute zu den ersten Adressen dieses Forschungsfeldes.

Prof. Dr. Michael Doser vom ITV Denkendorf und Prof. Dr. Dirk Höfer von den Hohenstein Instituten erläuterten vor zahlreichen Pressevertretern einige besonders herausragende textile Entwicklungen für die Humanmedizin. So hat Denkendorf zusammen mit dem Klinikum der Uni München eine zellbesiedelte Polyurethan-Herzklappenprothese aus Vliesstoff entwickelt, die demnächst zur Verfügung stehen soll. Im Unterschied zu mechanischen oder biologischen Prothesen können damit Abwehrreaktionen des Körpers vermieden und die Haltbarkeit verlängert werden (siehe November- Ausgabe Südwesttext 2010).

Das Forscherteam um Dirk Höfer an den Hohenstein Instituten beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, wie textile Implantate mit patienteneigenen Zellen ergänzt und so effizient in der plastischen Chirurgie eingesetzt werden können. So arbeite man an der Herstellung eines Fettgewebe-Ersatzes. Schon heute sei man in der Lage, auch ein größeres dreidimensionales Implantat mit humanen adulten Stammzellen zu besiedeln und sie in Fettzellen zu differenzieren. Mit diesem Knowhow hoffe man, biopolymere 3D-Implantate mit körpereigenen Stammzellen in Fettgewebe zu verwandeln, die dauerhaft als Weichteilersatz im Körper von Patienten verbleiben, ohne dass Abstoßungs- und Entzündungsreaktionen auftreten.

Foto: ITV