Bequem sitzen - entspannt fahren

Hohenstein Institute messen und optimieren den Komfort von Fahrzeugsitzen

Durch den Einsatz innovativer Technologien und Werkstoffe bringen Automobilhersteller heute Fahrzeuge auf den Markt, die ihren Kunden ein Höchstmaß an Sicherheit und Fahrkomfort bieten. Zu letzterem tragen vor allem auch optimal konstruierte Fahrzeugsitze bei, die dem Lenker insbesondere bei langen Fahrten eine ergonomische Sitzposition ermöglichen und über gute Klima-Eigenschaften verfügen. Ein unzureichender Sitzkomfort hat zur Folge, dass die Konzentration abnimmt und der Fahrer schneller ermüdet - was im schlimmsten Fall zu Unfällen führen kann. Die Hohenstein Institute haben verschiedene Testmethoden entwickelt, mit denen sich der physiologische Komfort von Fahrzeugsitzen objektiv bestimmten lässt. Namhafte Fahrzeughersteller nutzen die Labortests bereits seit vielen Jahren, um im Rahmen ihrer Produktentwicklung die verwendeten Materialien und Sitzsysteme zu überprüfen.

Die Forscher haben vier Kenngrößen ermittelt, die physiologisch betrachtet den Komfort von Fahrzeug-Sitzen bestimmen: Der Initialwärmefluss bezeichnet das Wärme-Empfinden des Fahrers unmittelbar nach dem ersten Kontakt mit dem Sitz. Die Atmungsaktivität gibt an, wie schnell Feuchtigkeit vom Sitzmaterial abtransportiert werden kann. Die Wärmeisolation ist das Maß, wie gut ein Sitz den Fahrzeuglenker bei kalten Temperaturen wärmt und ihn bei heißen Umgebungsbedingungen vor einem Hitzestau bewahrt. Die Feuchtepufferung gibt darüber Aufschluss, wie viel Wasserdampf der Sitz aufnehmen kann, ohne sich subjektiv feucht anzufühlen.

Zur quantitativen Bestimmung des Komforts von Fahrzeugsitzen stehen in Bönnigheim zwei spezielle Messapparaturen zur Verfügung. Um die Wärmeabgabe des Körpers nachzustellen, wird ein auf Hauttemperatur beheizter Aluminium-Stempel in Form eines menschlichen Gesäßes, das sog. Polsterprüfgerät, auf den Sitz gedrückt. In das Gerät integrierte Wärmefluss-Sensoren erfassen, wie gut die Wärmeisolation des Sitzes beim Erstkontakt und nach Erreichen des Temperaturgleichgewichts zwischen Körper und Sitzfläche ist. Atmungsaktivität und Wasserdampfpufferung des Sitzes werden mit Hilfe eines thermoregulatorischen Modells der menschlichen Haut, kurz Hautmodell, ermittelt. Bei diesem handelt es sich um eine beheizbare und poröse Metallplatte, die kontrolliert Wasserdampf abgeben und auf diese Weise die Schweißbildung in Abhängigkeit von unterschiedlichen körperlichen Aktivitätsgraden simulieren kann. Feuchtefühler zwischen Messfläche und Prüfling ermöglichen zuverlässige Aussagen über die Pufferwirkung des Sitzbezuges. Gemessen wird zudem, wie viel Wasserdampf das Sitzmaterial innerhalb eines bestimmten Zeitraums und unter definierten Umgebungsbedingungen vom Körper weg transportieren kann.

Abgesehen von Kfz-Sitzen für PKWs und LKWs eignen sich die Labortests auch zur Bestimmung der Komforteigenschaften anderer Sitzsysteme, beispielsweise für öffentliche Verkehrsmittel wie Busse, Bahnen oder Flugzeuge.

Foto: © http://Hohenstein-Institute.de