Berufsakademie erhält Hochschulstatus

Umsetzung der Föderalismusreform im Hochschulbereich

Die Berufsakademie Baden-Württemberg erhält den Status einer Dualen Hochschule. Dies sieht der Entwurf des "Zweiten Gesetzes zur Umsetzung der Föderalismusreform im Hochschulbereich" (ZHFRUG) vor, das nach einem Beschluss des Ministerrats vom Oktober jetzt in den Landtag eingebracht wurde. Außerdem legt das Gesetz Erleichterungen beim Hochschulzugang für qualifizierte Berufstätige fest. Der Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg betonte, mit dem Status einer Hochschule würdige das Land die 30-jährige Erfolgsgeschichte der Berufsakademieausbildung in Baden-Württemberg. "Durch die Verleihung des Hochschulstatus erhält die duale Ausbildung nach dem baden-württembergischen Modell eine noch höhere überregionale und internationale Anerkennung", so Frankenberg.
Künftig können die Berufsakademien akademische Grade verleihen. Zu den wesentlichen Neuerungen gehören der Auftrag der Dualen Hochschule zu kooperativer Forschung, der Mitgliedsstatus der Ausbildungsstätten in der Dualen Hochschule und ihre Mitwirkung in Organen und Gremien. Die bisherigen acht Berufsakademie-Standorte einschließlich ihrer drei Außenstellen werden zu der Dualen Hochschule Baden-Württemberg mit Sitz in Stuttgart zusammengefasst. Außerdem erfolgt die inhaltliche Gleichstellung des Abschlusses an der Dualen Hochschule mit dem der Fachhochschule.
Die Einführung eines international anerkannten Bachelor-Abschlusses wird von der Industrie positiv bewertet. Kritisch wird hingegen die zentrale Verwaltung aller acht Bildungseinrichtungen gesehen.

Eine weitere Regelung des Gesetzes betrifft die Möglichkeit des Hochschulzuganges für Berufstätige. "Wir verbessern die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung, indem wir den Hochschulzugang für qualifizierte Berufstätige weiter erleichtern", sagte der Wissenschaftsminister. Bereits jetzt habe man in Baden-Württemberg mit einer Meisterprüfung oder einer gleichwertigen beruflichen Fortbildung Zugang zu allen fachlich verwandten Studiengängen. Die bislang noch vorgeschriebene vierjährige Berufserfahrung solle nun gestrichen werden. Vorgesehen sei auch, dass außerhalb des Hochschulsystems erworbene Kenntnisse im Studium angerechnet werden könnten.
Als problematisch wertet die Industrie die Zulassung von Meistern ohne vorherige vierjährige Berufserfahrung. Der Landesverband der Baden-Württembergischen Industrie vertritt die Ansicht, dass es eine Abschwächung der Regelungen nicht geben sollte, da Erfahrungen an renommierten Hochschulen zeigten, dass die Studienanforderungen ohne entsprechende schulische Bildung schwer zu meistern seien.

Die Regelungen zur Dualen Hochschule sollen am 1. Januar, die übrigen Regelungen am 1. März 2009 in Kraft treten.