Beschränkungen für Perfluoroctansäure – PFOA

Eine europaweite konzertierte Aktion aller europäischen Textilverbände

Am 16. November ist die öffentliche Konsultation SEAC-Opinion (Committee for Socio-economic Analysis) bezüglich der REACH Anhang XV Beschränkungen für Perfluoroctansäure (PFOA), ihre Salze und PFOA und verwandte Stoffe zu Ende gegangen. Die Mitglieder der Textilverbände haben sich zahlreich an dieser öffentlichen Konsultation im Internet beteiligt.

Im Vorfeld hat der Gesamtverband t+m zur Orientierung der Mitglieder eine unter maßgeblicher inhaltlicher Gestaltung der Verbände VTB, Gesamtmasche und Südwesttextil erstellte Vorlage versendet. Diese wurde vom europäischen Dachverband Euratex übernommen und eine europaweite konzertierte Aktion aller europäischen Textilverbände folgte. Inhaltlich wurde darin deutlich herausgestellt, dass die produzierende europäische Textilindustrie mit vielen Einzelmaßnahmen bereits heute die PFOA / PFOA-Salze-Emissionen auf ca. 5-10 kg pro Jahr reduziert hat.

Diese für die Umwelt und Verbraucher äußerst positive Entwicklung ist in meist jahrelanger Detailarbeit freiwillig, also ohne gesetzliche Regulierung, gemeinsam mit den Zulieferern in Europa umgesetzt worden. Auch beste „Umweltpraktiken“ in der Produktion waren und sind ein wichtiger Schlüssel, um PFOA-Emissionen zu vermeiden.

Vor diesem Hintergrund wurde gefordert, die bereits durch das SEAC vorgeschlagenen C8-Ausnahmen für Arbeitsschutztextilien auch aufgrund des hohen Anforderungsprofils auf die technischen Textilien auszuweiten. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass es in der deutschen und europäischen Textilindustrie zu vielschichtigen Produktionsverlagerungen ins Nicht-EU-Ausland komme. Auch wurde in diesem Zusammenhang nochmals explizit auf die C6 Alternativprodukte im Bereich der technischen Textilien eingegangen. Bei vielen technischen Textilien werden C6-Produkte im Vergleich zu C8-Produkten mit den doppelten bis vierfachen Einsatzmengen und zusätzlichen Additiven eingesetzt, um den vielfältigen Leistungsanforderungen gerecht zu werden. Daher sind textile C6-Ausrüstungen chemikalienseitig 4- bis 6-mal teurer als die C8-Technologie und viele technische Textilien „Made in EU“ wären im globalen Kontext kostenmäßig nicht mehr wettbewerbsfähig. Dieser Sachverhalt war offensichtlich in dieser Form bei der ECHA in Helsinki nicht bekannt. Das PFOA-Restriction-Team der ECHA hat einige Mitgliedsbetriebe und die Euratex nach ihren Eingaben in der öffentlichen Befragung diesbezüglich nochmals direkt kontaktiert.

Die jetzt erst begonnenen Prüfungen zu den toxikologischen und ökologischen Aspekten ebenfalls teurer fluorfreier Ausrüstungen, die für technische Textilien weitgehend noch nicht geeignet sind, stellen besonders den Bekleidungssektor vor weitere Herausforderungen. Andere aktuelle oder zukünftige REACH-Restriktionen oder CLPKlassifizierungen könnten auch diese fluorfreien Produkte betreffen. Darüber hinaus beschäftigen sich derzeit zahlreiche, zum Teil neue und Millionen Euro schwere Forschungsprojekte mit der Entwicklung von fluorfreien als auch fluorhaltigen Alternativprodukten. Dies ist ein Zeichen, dass es hier offensichtlich noch viel Handlungsbedarf gibt.

Was die umstrittenen Grenzwerte anbelangt, wurde von Seiten der Textiler bemerkt, dass die von der SEAC vorgeschlagenen Grenzwerte nicht mehr nach unten abgesenkt werden können, denn dies würde neben der allgemeinen Messmethodenproblematik zu einer weiteren Verteuerung der C6-Produkte führen und ggf. Marktteilnehmer in einem bereits weitgehend oligopolen Anbietermarkt ausscheiden lassen.

Ein weiterer Aspekt der Eingaben waren die noch nicht vorhandenen Testmethoden. Es wurde daher konkret der Vorschlag gemacht, zunächst eine gut definierte, robuste DIN-EN-ISO-Testmethode (analog z. B. DIN EN ISO 17075 für Chrom VI) zu erschwinglichen Kosten für Downstream-User Massentests zu entwickeln. Das grundlegende Schlüsselelement jeder REACHRestriktion ist, dass die Industrie sowie die Überwachungsbehörden in der Lage sein müssen, den Nachweis der Übereinstimmung mit den jeweiligen Grenzwerten führen zu können. Aber wie kann man diese Konformität ohne derzeit definierte DIN EN ISO-Prüfmethoden nachweisen? Ohne gesicherte Prüfmethode kann auch der letztendliche Entwurf der PFOA-Restriktion wohl kaum der EU-Kommission zur Entscheidung vorgelegt werden. Das ist eine der Fragen, die die ECHA jetzt selbst beantworten darf!