Brasilien prüft Safeguards

Bekleidungsindustrie des Landes verlangt umfassenden Außenschutz

Die Textil- und Bekleidungsbranche Brasiliens klagt seit langem über sinkende Produktion und steigende Einfuhren. Ende August hat der Textilverband ABIT bei der brasilianischen Regierung eine Safeguard- Untersuchung beantragt. Laut ABIT ist die Produktion der Branche im ersten Halbjahr 2012 um 13 Prozent eingebrochen, während die Importe im selben Zeitraum um 27 Prozent zulegten. ABIT fordert die Anwendung von Schutzklauseln für insgesamt 60 Produktkategorien, die 82 Prozent der Branchenimporte ausmachen. Die Liste reicht von T-Shirts, Unterwäsche, Hemden und Blusen über Bademoden, Kleider und Röcke bis zu Anzügen, Hosen und Kinderkleidung.

Hat die Petition Erfolg, könnten Bekleidungslieferungen nach Brasilien schon bald Schutzzöllen oder Einfuhrquoten unterworfen sein. Woher die Ware stammt, spielt dabei keine Rolle, auch wenn sich der Unmut der brasilianischen Hersteller in erster Linie gegen die asiatische Billigkonkurrenz richtet. Laut ABIT-Präsident Aguinaldo Diniz Filho bedroht der "unfaire" Handel die gesamte textile Kette Brasiliens vom Baumwollanbau bis zur Konfektion.

Wer Mode nach Brasilien exportiert, ist bereits heute mit einer wirkungsvollen Zollmauer von 35 Prozent konfrontiert - ganz zu schweigen von weiteren Gebühren und langwierigen Kontrollen. Die Folge: Markenware aus dem Ausland kostet im brasilianischen Einzelhandel oft doppelt so viel wie andernorts. Europäische Anbieter profitieren daher nur langsam vom Retail-Boom. Dem Textil- und Bekleidungskonsum in Brasilien wird rasches Wachstum vorausgesagt. Im Vergleich zu 2011 soll der Verbrauch bis 2015 um 50 Prozent wachsen.

Im vergangenen Jahr haben die Modehersteller des Landes knapp 59 Mrd. US-Dollar umgesetzt. Mit einer Exportquote von weit unter 1 Prozent konzentrieren sie sich fast ausschließlich auf den Heimatmarkt und sind dort nach wie vor dominant: Der Bekleidungsimport belief sich 2011 gerade einmal auf 1,7 Mrd. US-Dollar. Ein Großteil der Einfuhren liegt im Billigsegment. Aktuell stammen ca. 9 Prozent der 6,4 Milliarden Bekleidungsteile, die pro Jahr über brasilianische Ladentische gehen, aus dem Ausland - meist aus China. Deutschland hat im Vorjahr Textil- und Bekleidungswaren im Wert von 47,5 Millionen Euro nach Brasilien exportiert, die Importe aus Brasilien beliefen sich auf 18,8 Millionen Euro.

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