Breite Zustimmung zu Tarifkompromiss

Stellschrauben erleichtern individuelle Anpassungen

Trotz der sich abzeichnenden Konjunkturflaute haben der Sozialpolitische Ausschuss und der Vorstand von Südwesttextil das Bocholter Tarifergebnis mit großer Mehrheit angenommen. Nach der bereits erteilten Zustimmung durch die IG Metall-Gremien kann der Vertrag damit rückwirkend zum 1. November in Kraft treten.

Der in drei Verhandlungsrunden mühsam errungene Kompromiss sieht eine Laufzeit von 24 Monaten vor. Nach zwei Nullmonaten im November und Dezember 2012 folgen für die Monate Januar bis April 2013 zunächst vier Einmalzahlungen in Höhe von 60 Euro. Ab Mai 2013 werden die Entgelte dann um 3 Prozent erhöht, ab Juni 2014 um weitere 2 Prozent. Wie in der Vergangenheit trägt das Verhandlungsergebnis den unterschiedlichen wirtschaftlichen Situationen der einzelnen Unternehmen in der Branche Rechnung: Durch freiwillige Betriebsvereinbarung und einer Beschäftigungszusage für alle Beschäftigten können die Einmalzahlungen gestrichen werden. Mit Zustimmung der Tarifvertragsparteien kann zudem die erste prozentuale Entgelterhöhung zeitweise reduziert werden.

Stephan Schulz, der sozialpolitische Sprecher von Südwesttextil, stellte in seinem Bericht vor dem Verbandsvorstand am 26. November besonders auf die dadurch erreichbare Flexibilisierung in Verbindung mit der sich aus der langen Laufzeit ergebenden Planungssicherheit ab. Dadurch sei der Kompromiss für die Arbeitgeber gerade noch vertretbar. Ohne Nutzung der Stellschrauben beträgt die Gesamtbelastung im Jahr 2013 insgesamt 2,9 Prozent, bei Nutzung sämtlicher Stellschrauben kann die Belastung auf 1,4 Prozent gesenkt werden. Für die weitere Tariferhöhung im Jahr 2014 ist keine Flexibilisierung vorgesehen. Der Niederlassungsleiter der Johnson Controls Interiors in Rastatt, Henry Wurm, der neben Stephan Schulz und Volker Steidel ebenfalls für Südwesttextil in der Tarifkommission saß, hält die Vereinbarung für umsetzbar. Auch wenn er als "just-in-sequence"-Automobilzulieferer unter starkem Kostendruck stehe, könne sich sein Unternehmen nicht von der allgemeinen Gehaltsentwicklung abkoppeln. Andernfalls verlöre es im Vergleich zu anderen Arbeitgebern im Wettbewerb um qualifiziertes Personal an Attraktivität.

Die IG Metall konnte das schwierige wirtschaftliche Umfeld in der Textil- und Bekleidungsbranche nicht außer Acht lassen. Allerdings haben auch die hohen Tarifabschlüsse in anderen Branchen während des Jahres ihre Spuren hinterlassen. Verstärkt worden ist die Erwartungshaltung bei den Beschäftigten durch die zunehmend steigenden Inflationsraten von jährlich rund 2 Prozent.

Weitere Themen, die die Gewerkschaft während der Tarifrunde nachgeschoben hatte, sind die Übernahme von Ausgebildeten sowie eine Nachfolgeregelung zur Altersteilzeit. Diese werden zusammen mit Themen der Arbeitgeber bezüglich Arbeitszeit, Sicherung älterer Arbeitnehmer u.a. im nächsten Jahr außerhalb der Tarifrunde unter dem Stichwort Demografie weiter verhandelt.

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