China mit neuem Schwung

Konfektionäre schreiben wieder Aufträge

In der ersten Jahreshälfte 2009 waren die Aufträge der chinesischen Textil- und Bekleidungsindustrie rapide eingebrochen. Inzwischen erholen sich die Geschäfte. Chinesische Medien berichten sogar von einem Arbeitskräftemangel in wichtigen Textilregionen – eine erstaunliche Entwicklung, nachdem erst wenige Monate zuvor Millionen Jobs verloren gingen und die Regierung soziale Unruhen befürchten musste.

Tatsächlich läuft sich die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt wieder warm, auch stimuliert durch erhöhte Staatsausgaben und billige Kredite. Dass Arbeitskräfte knapp sind, führen Experten vor allem auf die abgeebbten Ströme der Wanderarbeiter zurück. Die Regierung aber setzt alles daran, die Migranten so lange wie möglich in ihren Dörfern zu halten. Beeinflusst durch Warnungen der lokalen Behörden verzichten viele auf das schnelle Geld und fürchten, dass der Anstieg von Löhnen und Arbeitsnachfrage womöglich nur ein Strohfeuer sein könnte.

Im zweiten Quartal ist Chinas Wachstum wieder auf knapp 8 Prozent geklettert, nach einem Tief von 6,1 Prozent in den ersten drei Monaten des Jahres. Exporte, Einzelhandelsverkäufe und Produktion haben sich auch im Juli weiter verbessert. Im August haben die heimischen Einkäufer ihre Orderrunde begonnen und zu einer weiteren Aufwärtsentwicklung beigetragen.
Doch auch wenn die Aufträge wieder zunehmen, liegen sie auf einem deutlich niedrigeren Niveau als vor der Krise. Einzelhändler in den USA und Europa haben aufgrund steigender Finanzierungskosten ihre Bestände nach unten gefahren. Chinesische Firmen bekamen im letzten Quartal 2008 kaum mehr Aufträge. Jetzt werden die Läger wieder aufgefüllt. Allerdings werden zumeist kleine Losgrößen geordert.