China, Türkei und der Kantendruck

Silvia Jungbauer künftig bei Südwesttextil für Außenwirtschaftsfragen zuständig

Für die Textil- und Modebranche spielt das internationale Geschäft eine prominente Rolle. Im Rahmen der Bürogemeinschaft mit dem Gesamtverband der deutschen Maschenindustrie hat Südwesttextil sein Team daher durch ein eigenes Außenwirtschaftsreferat verstärkt.
Silvia Jungbauer, die bis Ende 2008 das Ressort Internationaler Handel beim Gesamtverband textil+mode leitete, ist seit Jahresanfang Geschäftsführerin Außenwirtschaft bei Gesamtmasche und steht auch den Mitgliedsfirmen von Südwesttextil für alle Fragen rund um das Auslandsgeschäft zur Verfügung. Schwerpunkte bilden dabei der Zugang zu Absatzmärkten weltweit sowie die Themen Zoll und Ursprung. Im Folgenden hat Südwesttextil eine Auswahl aktueller Außenwirtschaftsthemen zusammengestellt:

Handel mit China
Zum 1. Januar 2009 ist bei der Einfuhr von Textil- und Bekleidungswaren mit Ursprung in China die bisherige Genehmigungspflicht entfallen, und zwar unabhängig vom Datum des Versands. Allerdings sind für zahlreiche Produkte nach wie vor Ursprungszeugnisse erforderlich. Dies gilt auch für die acht Kategorien, die im vergangenen Jahr noch dem "System doppelter Kontrolle" bei der Einfuhr unterworfen waren.
Mit dem neuen Jahr hat China seine Regelungen zur "Entry-Exit Inspection and Quarantine" verschärft. Durch verstärkte Stichprobenkontrollen soll sichergestellt werden, dass eingeführte Waren den chinesischen Standards bzw. Ausfuhren den wichtigsten internationalen Standards entsprechen – zum Wohle des Verbrauchers in China und weltweit, so die chinesische Argumentation. Die Maßnahmen betreffen insgesamt 303 (zuvor 109) textile Warencodes, davon 301 im Maschen- und Webbekleidungsbereich. Die Liste der betroffenen Warencodes, die vornehmlich Baby- und Kinderbekleidung, Unterwäsche, Nachtwäsche und Bademode umfasst, kann bei Südwesttextil angefordert werden.
Noch ist unklar, wie sich die neuen Maßnahmen auf den Ablauf der Warenströme auswirken. Auch ist nicht sicher, ob chinesische Hersteller, die für den heimischen Markt produzieren, denselben Kontrollen unterzogen werden. Bereits im vergangenen Jahr gab es Beschwerden deutscher Bekleidungsunternehmen über ausufernde und teure Untersuchungen, die zu Lieferverzögerungen führten. Außerdem hat China zum 1. Januar 2009 Vorabanmeldungen im grenzüberschreitenden Waren- und Personenverkehr eingeführt. China folgt damit entsprechenden Sicherheitsinitiativen der USA und der EU. Seit Jahresanfang sind die Carrier verpflichtet, Warenbewegungen und Grenzübertritte im Voraus anzumelden. Die Voranmeldefrist bei der Ein- und Ausfuhr im Containerseeverkehr beträgt 24 Stunden vor Verladung. Bei der Einfuhr per Luftfracht ist die Frist vier Stunden vor Ankunft, beim Export vier Stunden vor Verladung. Die Außenhandelskammer Peking hat hierzu ein Infoblatt mit Detailinformationen herausgegeben, das bei Südwesttextil angefordert werden kann.

Handel mit der Türkei
Momentane Krisenstimmung hin oder her – die Türkei zählt seit einiger Zeit zu den großen und boomenden Absatzmärkten, auch für hochwertige Textilien und Bekleidung. Angesichts wachsender Importe hat die Türkei prompt neue Zollbestimmungen für Textil- und Bekleidungseinfuhren erlassen, die ab 1. Februar gelten sollen. Im Rahmen des türkischen Import Monitoring ist neuerdings auch eine Registrierungspflicht für ausländische Exporteure von Textilien und Bekleidung vorgeschrieben. Dies gilt, trotz Zollunion, auch für EU-Lieferanten.
Das Registrierungsformular für Exporteure hat es in sich: Die erfragten Informationen gehen weit über das hinaus, was zur Abwicklung der Warenlieferung sinnvoll ist. So werden z.B. Jahresumsatz, Beschäftigtenzahlen oder die wichtigsten Absatzmärkte erfragt. Die Koordination der Registrierung übernimmt dabei der Textil- und Bekleidungsexporteursverband ITKIB - der die "streng vertrauliche Behandlung" der sensiblen Firmendaten zugesichert hat. Neben den neuen Zollbestimmungen hat die Türkei, ebenfalls mit Wirkung zum 1. Februar, eine Neuregelung zur Überwachung verbotener (Farb-)Stoffe in Textilien verfügt. Je nach "Risikopotential" sollen künftig vermehrt Stichprobenkontrollen vorgenommen werden.

Wie geht es weiter mit dem Kantendruck?
Seit mehreren Monaten steht in Brüssel die liberale Interpretation des so genannten "Kantendrucks" auf dem Prüfstand. Hintergrund: Im Rahmen der Ursprungsregeln sind Veredelungsarbeiten trotz hoher Wertschöpfungsanteile kaum von Bedeutung. Einzige Ausnahme – das Bedrucken. Dies hat dazu geführt, dass zahlreiche Unternehmen ihre Ware geringfügig bedrucken, nur um den Ursprungsregeln gerecht zu werden.
Die in den Regeln ebenfalls geforderte Wertschöpfung wird mit ganz anderen Arbeitsschritten erzielt. Mit Billigung der Zollbehörden hat sich diese Praxis seit Mitte der 90er Jahre vor allem in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden durchgesetzt, inzwischen auch in Frankreich. So abstrus der Kantendruck auch erscheinen mag – er ist momentan für viele Unternehmen die einzige Möglichkeit, mit den dringend reformbedürftigen Präferenzregeln noch zurechtzukommen. Die EU-Kommission sieht dies anders und hat eine äußerst restriktive Interpretation vorgeschlagen. Verbände und eine Reihe von Mitgliedstaaten ringen derzeit mit den Brüsseler Behörden um eine wirtschaftsfreundliche Lösung. Südwesttextil beantwortet gerne Fragen zum aktuellen Diskussionsstand.

Außenhandelsverteiler
Interessierte können sich jetzt bei Südwesttextil in einen neuen Verteiler eintragen lassen. E-Mail Silvia Jungbauer.