Cotonea steigt aus Textilbündnis aus

Der Dokumentationsaufwand im Rahmen des Leitfadens „Wir sind auf dem Weg“ sei für kleinere Unternehmen einfach nicht zu leisten, begründet der Geschäftsführende Gesellschafter Roland Stelzer seinen Schritt.

Roland Stelzer im Gespräch mit Bio-Farmern seines Baumwollprojekts in Uganda.
Foto: Roland Stelzer im Gespräch mit Bio-Farmern seines Baumwollprojekts in Uganda.
© Cotonea

Als Reaktion auf den Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch gründete Bundesentwicklungsminister Müller 2014 das Bündnis für nachhaltige Textilien. Mit großem Aufwand wurden Textilhersteller umworben, sich dem Bündnis anzuschließen, mit dem Ziel, soziale, ökologische und ökonomische Verbesserungen entlang der Textillieferkette zu erreichen. Heute gehören ihm etwa 150 Unternehmen, Verbände, NGOs usw. an. Insbesondere kleinere Textilhersteller wurden anfangs hofiert, um von deren Transparenz und Erfahrung zu profitieren. Fazit nach vier Jahren Mitgliedschaft: Die im Leitfaden „Wir sind auf dem Weg“ formulierten ökologischen und sozialen Standards erfüllt Cotonea schon lange zu 100 Prozent. Diese Roadmap eignet sich für große Unternehmen, für Cotonea ist die jährliche Dokumentation erreichter Verbesserungen schlicht überflüssig.

„Der Dokumentationsaufwand ist für kleinere Unternehmen nicht zu leisten“, ärgert sich der Geschäftsführende Gesellschafter von Cotonea, Roland Stelzer. „Allein damit kann man eine Halbtagskraft beschäftigen. Wir haben keine eigene Compliance-Abteilung wie die Großen.“ Zunächst gab das BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) die Zusage, kleinen Unternehmen und Verbänden diesen Aufwand, wenigstens teilweise, zu erstatten. Geschehen ist nichts.

Es ist aber nicht allein dieser Umstand, der Roland Stelzer ärgert. Bei jeder zu treffenden Entscheidung fallen die Forderungen der kleinen, oft sehr engagierten Textilhersteller „unter den Tisch“, weshalb diese eine Quote gefordert haben, mit der ihre Belange berücksichtigt werden. Dem wurde zwar zugestimmt – geschehen ist auch hier nichts. „Ich sehe nicht ein, dass nur die großen Unternehmen entscheidungsrelevant sind. Das führt dazu, dass wirklich nachhaltige Vorschläge, die vielleicht mehr Aufwand und Kosten erfordern, nicht aufgegriffen werden.“

Waren anfangs noch 20 kleine Hersteller Mitglied im Textilbündnis, sind es mittlerweile nur noch vier. 16 haben stillschweigend das Handtuch geworfen. „Auch wir ziehen uns nach jetzt vier Jahren, in denen wir uns gemeinsam mit den anderen kleinen Unternehmen sehr stark engagiert haben, aus dem Textilbündnis zurück“, sagt Stelzer. „Aber wir tun das nicht, ohne diese Missstände öffentlich zu machen.“ Mit nur noch drei kleinen Mitgliedsunternehmen sind die Großen nun unter sich und müssen sich mit „unorthodoxen“ Vorschlägen nicht mehr beschäftigen.

Cotonea/Elmer & Zweifel konzentriert sich seit 2003 auf biologisch-faire Baumwolle für die Produktion von Heim- sowie Haustextilien und Oberbekleidung. Unter der Marke Cotonea werden Bett- und Badwäsche, Bettwaren und Babywäsche sowie Bekleidung aus eigenen Bio-Baumwollprojekten hergestellt und vertrieben, und „Cotonea inside“ steht für die Verarbeitung ökologisch-fairer Cotonea-Stoffe durch namhafte Markenhersteller. Die gesamte Fertigung findet – teilweise in eigenen Betrieben – nach IVN BEST Standards ausschließlich in Europa und der Türkei statt.