Bündnis wird beitrittsfähig

CSR-Tagung von Südwesttextil und Gesamtmasche informiert Mitglieder

Lebhafte Diskussion bei der CSR-Tagung
Foto: Lebhafte Diskussion bei der CSR-Tagung

Das Thema Corporate Social Responsibilty (CSR) ist in der Textil- und Bekleidungsindustrie in aller Munde und beschäftigt Unternehmen der gesamten textilen Kette. Kontrovers diskutiert wird derzeit insbesondere das „Bündnis für nachhaltige Textilien“, das Bundesentwicklungsminister Müller am 16. Oktober 2014 ins Leben gerufen hat.

Auf der CSR-Tagung von Südwesttextil und Gesamtmasche in Kooperation mit dem Gesamtverband textil+mode am 20. Mai in Ludwigsburg nutzten trotz GDL-Streik rund 40 Firmenvertreter die Gelegenheit, sich aus erster Hand zu informieren. Christian Hagemann vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung stand den Mitgliedern Rede und Antwort und erläuterte die Eckpunkte des aktualisierten Bündnis-Aktionsplans. Kritisch kommentiert wurde dieser von Dr. Uwe Mazura, Hauptgeschäftsführer von textil+mode, der wie Hagemann den Bündnisprozess von Anfang an begleitet hat.

„Als Industrie kommen wir weder formell noch inhaltlich daran vorbei, uns mit dem Bündnis für nachhaltige Textilien auseinanderzusetzen“, begründet er seine fortgesetzten – und erfolgreichen – Anstrengungen, das Bündnis in praxistaugliche Bahnen zu lenken. „Als Branche müssen wir mitreden bei einem Thema, das alle Ebenen von der Kommunalpolitik bis zur G-7 bewegt.“

„Als mittelständischer Betrieb haben wir nicht die finanziellen und personellen Ressourcen, um unsere Leistungen im Bereich der Nachhaltigkeit publik zu machen und eine aufwendige Berichterstattung zu betreiben.“

Hans Hausner, Chef der Garnfärberei TVU

Präzisierungen und realistischere Zielsetzungen im Vergleich zum alten Aktionsplan lassen die Teilnahme am Bündnis inzwischen zwar machbar erscheinen. Fallstricke und ungeklärte Punkte gibt es jedoch noch genug, wie auch in der Fragerunde deutlich wurde: „Wir beschaffen und produzieren in der Europäischen Union. Damit ist ein hohes Niveau im Bereich Umwelt- und Sozialstandards sichergestellt. Das Bündnis macht aber zwischen uns und Firmen mit Vollimport aus Bangladesch keinen Unterschied“, kritisiert Geschäftsführer Matthias Behr von Marc Cain. „Das Bündnis würde uns ohne Not Nachweis- und Berichtspflichten aufbürden, die viel Geld kosten.“ Ganz ähnlich sieht es Hans Hausner, Chef der Garnfärberei TVU. „Als mittelständischer Betrieb haben wir nicht die finanziellen und personellen Ressourcen, um unsere Leistungen im Bereich der Nachhaltigkeit publik zu machen und eine aufwendige Berichterstattung zu betreiben.“ Da helfe auch die neue „Mittelstandsklausel“ im Bündnis nicht wirklich weiter. Die Sorge, Berichtspflichten, Monitoring und die damit einhergehende Bürokratie könnten breiteren Raum einnehmen als das nachhaltige Handeln selbst, treibt auch andere Mittelständler um. Die erdrückende Anzahl von Siegeln mit ihren unterschiedlichen Zertifizierungsanforderungen kostet die Branche bereits viel Geld. Entsprechend musste sich Christian Hagemann der Frage mehrerer Teilnehmer stellen, wie ernst es Bundesminister Müller nun tatsächlich mit dem „grünen Knopf“ sei. Für diesen wirbt der Minister immer wieder in Interviews. „Wir wollen kein neues Siegel schaffen“, betont der BMZ-Vertreter. „Der Minister möchte in der Öffentlichkeit plastisch darstellen, was das Bündnis erreichen will: Dass Kunden mit ruhigem Gewissen Textilprodukte kaufen können.“

Auch die juristische Betrachtung der Thematik CSR kam nicht zu kurz. Rechtsanwalt Dr. Christian Schröder, Partner der Münchner Kanzlei Görg, informierte die Teilnehmer über Haftungsrisiken und die Ausgestaltung von Lieferverträgen in Zusammenhang mit dem Thema Nachhaltigkeit. Darüber hinaus wurden praktische Tools zum CSR-Management vorgestellt und die Fördermöglichkeiten des BMZ aufgezeigt.

Aus der Praxis für die Praxis berichtete Volker Steidel, geschäftsführender Gesellschafter der Lauffenmühle und Vorstandsmitglied von Südwesttextil, von einer nachhaltigen Produktidee seines Hauses. Als vollstufiger Anbieter von Funktionsgeweben insbesondere für die Bereiche Arbeitskleidung, Schutzbekleidung und Corporate Wear hat die Lauffenmühle Garne und Gewebe entwickelt, die Cradle-to-Cradle-Prinzipien entsprechen: infinito® ist ein umweltfreundliches, biologisch abbaubares Polymer, das sich kompostieren lässt. Alle eingesetzten Rohstoffe, Chemikalien und Farbstoffe sind bekannt, definiert, bewertet und sicher für biologische Kreisläufe. Gleichzeitig lässt sich infinito® gut verarbeiten und färben, weist hohe Farb-, Licht- und Reibeechtheiten auf und hat angenehme Trageeigenschaften. Schließlich solle, unterstreicht Steidel, mit dem Produkt Geld verdient werden – und dazu müsse es rein qualitativ mit konventionellen Produkten konkurrieren können.

Abschließend stellte Juliane Schröder, Nachhaltigkeitsexpertin von textil+mode, das neue Online-Forum Nachhaltigkeit des Dachverbandes vor. Die Plattform bietet Unternehmen die Möglichkeit, nachhaltige Produkt- und Prozessideen einem breiten Zielpublikum zu präsentieren. Zudem stellt t+m der Branche einen umfassend modernisierten Code of Conduct zur Verfügung, der als Vorlage für unternehmenseigene Kodizes genutzt werden kann.

Die Dokumente zur Veranstaltung stehen im Mitgliederbereich zum Download bereit.