Das Cradle to Cradle-Konzept

Ökoeffizienz in der Textilindustrie

Das im Grundsatz beliebig oft wiederholbare und damit in sich konsistente Recyceln von Produkten, Cradle to Cradle, ist Ausweis einer hochwertigen Kreislaufproduktion. In der Textilindustrie lassen sich im Wesentlichen zwei Ansätze unterscheiden: das Schließen biologischer Kreisläufe beim Einsatz von Naturfasern (z. B. kompostierbare T-Shirts), sowie das Schließen technischer Kreisläufe beim Einsatz von Chemiefasern (z. B. Wiederverwertung von Möbelstoffen).

Aus abfallwirtschaftlicher und -technischer Sicht werden Cradle to Cradle-Entwicklungen, die das Ziel haben, kompostierbare Materialien herzustellen, um sie auf diesem Wege zu entsorgen, als kritisch gesehen. Die Entsorgungswirtschaft befürchtet, dass die Verbraucher in Zukunft ohne Unterscheidung alle Arten von Altkleidertextilien in die biologische Wertstofftonne werfen und dies dann in den Anlagen zu Betriebsstörungen führt. Nach Mitteilung des Fachverbandes Textilrecycling (FTR) und des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) in Bonn wird gegenwärtig ein Bekleidungsverbrauch von etwa 13 kg je Einwohner und Jahr angenommen. Der Alttextilanteil am Hausmüll und den Siedlungsabfällen betrug nach Erfassung von Abfallbilanzen in den Bundesländern für das Jahr 2006 bundesweit durchschnittlich rund 3 kg je Einwohner.

Laut der im Auftrag des bvse unter Leitung von Prof. Dr. Pretz (RWTH Aachen) erstellten Studie "Textilrecycling in Deutschland" betrug das Volumen der Inlandsverfügbarkeit in 2004 (entspricht dem Sammelpotenzial für 2007) an Bekleidungstextilien fast 1 Mio. Tonnen und an Haustextilien rund 170 000 Tonnen. Tatsächlich gesammelt wurden rund 750 000 Tonnen Altbekleidung und gebrauchte Haustextilien (Erfassung über Straßen- und Containersammlung). Ihre Verwertungsquote liegt bei 90 Prozent. Circa 43 Prozent der Altbekleidung werden der Wiederverwendung (Second-Hand-Kleidung) zugeführt; etwa 16 Prozent werden zu Putzlappen verarbeitet und ca. 31 Prozent gelangen in die Weiterverwertung als Recyclingmaterialien und zur Ersatzbrennstoffgewinnung. Der Abfallanteil wie z. B. einzelne Schuhe, Gürtel etc. beträgt etwa 10 Prozent und ist kostenpflichtig zu entsorgen.

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