Innovationsförderung: Kennen Sie die DBU?

Dieser Mann hat was zu verteilen – Fördergelder für gute Ideen: Dr. Maximilian Hempel, seit 2002 Leiter des Referats Umweltchemie sowie seit 2016 Leiter der Projektgruppe „Ressourceneffizienz“ der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und darüber hinaus Vorstandsmitglied der Fachgruppe Nachhaltige Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat „Umwelt“ der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, besuchte Ende Mai zu einem Kennenlerngespräch die Geschäftsstelle von Südwesttextil.

In diesem Kurzinterview möchten wir unseren Mitgliedern die Vorteile einer engeren Zusammenarbeit mit dem Innovationsmanager und der Institution DBU aufzeigen.

Wer bzw. was ist die Deutsche Bundesstiftung Umwelt?
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert innovative, modellhafte und lösungsorientierte Vorhaben zum Schutz der Umwelt. Dies geschieht unter besonderer Berücksichtigung der mittelständischen Wirtschaft. Geförderte Projekte sollen nachhaltige Effekte in der Praxis erzielen, Impulse geben und eine Multiplikatorwirkung entfalten. Wir wollen damit zur Lösung aktueller Umweltprobleme beitragen, die insbesondere aus nicht nachhaltigen Wirtschafts- und Lebensweisen unserer Gesellschaft resultieren.

Welche Fördermöglichkeiten gibt es bei der DBU für Unternehmen der Textil- und Bekleidungsindustrie?
Gerade innovative mittelständische Unternehmen finden gute Förderbedingungen bei uns. Wenn wir den Lebensweg von Textilien von der Fertigung über den Vertrieb und die Nutzung bis hin zur Entsorgung betrachten, gibt es an vielen Stellen Möglichkeiten, etwas besser zu machen: effizienter produzieren, Gefahrstoffe ersetzen, Abfall- oder Nebenprodukte nutzen, langlebigere Produkte gestalten.

Die Projektideen können dabei verschiedene Ansätze verfolgen: beispielsweise Färbeprozesse, die weniger Abwasser produzieren; Herstellungsverfahren, die mit weniger Ressourcen und Energie auskommen; Digitalisierung und neue Geschäftsmodelle bieten ganz neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit in der Lieferkette.

Wie kompliziert ist das Bewerbungsverfahren und wie groß sind die Chancen eine Förderung zu bekommen?
Zunächst wird eine Projektskizze über das Online-Portal eingereicht. Sie sollte kurz und knapp sein und auf wenigen Seiten die Projekt-idee sowie den Lösungsansatz zusammenfassen. Besonderen Wert legen wir darauf, dass das Projekt modellhaft und innovativ ist. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) können allein oder in Kooperation, z. B. mit Forschungseinrichtungen oder Verbänden eine Förderung beantragen. Bei positiver Bewertung der Skizze werden Sie zur Antragstellung aufgefordert. Von Beginn an werden Sie von der zuständigen Referentin bzw. dem Referenten fachlich unterstützt. Teilweise werden im Bearbeitungsprozess noch externe Gutachter hinzugezogen. Üblicherweise dauert die Bearbeitung vom Einreichen der Skizze bis zur Entscheidung etwa drei bis acht Monate. Und natürlich kann man mich auch anrufen und mir die Projektidee schildern.

Welche Vorteile ergeben sich für die Unternehmen aus der Förderung und wie kommen die Partner zusammen?
Die DBU beteiligt sich an den Projektkosten, bei mittelständischen Unternehmen meist mit 50 Prozent der Gesamtkosten, inklusive Personal, Sach- und Reisekosten. Hochschulen werden zu 100 Prozent gefördert. Neben der finanziellen Unterstützung erfährt der Projektträger auch während der Durchführung des Projekts weiterhin fachliche Unterstützung durch die DBU. Wenn möglich, wird das Projekt auf Konferenzen und Messen präsentiert. So gibt es zahlreiche Möglichkeiten zum Netzwerken und ggf. Weiterentwicklungsmöglichkeiten für das Projekt, auch nach der Zusammenarbeit mit der DBU.

Gibt es schon erfolgreiche Beispielprojekte, die im Bereich Textil durchgeführt wurden?
Die DBU fördert derzeit das Gemeinschaftsprojekt der Trans-Textil GmbH mit der Firma CHT Germany GmbH und dem Sächsischen Textilforschungsinstitut e.V.. Dessen Ziel ist es, die Herstellung wasserdichter, atmungsaktiver Schutztextilien etwa für Feuerwehrleute und Polizisten ohne Lösemittel zu ermöglichen.
Das Zentrum für Umweltforschung und nachhaltige Technologien der Universität Bremen hat in Kooperation mit dem Bundesverband der Deutschen Sportartikel-Industrie und mit Förderung der DBU untersucht, ob schmutzabweisende, wasserdichte und atmungsaktive Kleidung auch ohne Fluorpolymere auskommen können.

Die Firma Tailorlux aus Münster bringt eine verdeckte Markierung bei Biobaumwolle bereits in der Mühle an. Mit einem einfachen Handgerät kann damit während des gesamten Produktionsverlaufs die Herkunft überprüft werden. So können Plagiate vermieden und die gesamte Lieferkette kontrolliert werden.
In einem DBU-geförderten Projekt mit VAUDE geht es um das Verwerten von Abfällen zu höherwertigen Produkten, also Up-cycling. Es zielt darauf ab, den Wert von Textilien und Materialien so lange wie möglich zu erhalten und etwa Alttextilien nicht „nur noch“ zu Putzlappen aufzubereiten oder zu verbrennen.
Kürzlich abgeschlossen wurde das Projekt des Forschungsinstituts für Textil und Bekleidung der Hochschule Niederrhein und der Multi-Plot Europe GmbH. Die beiden entwickelten mit Unterstützung der DBU ein Digitaldrucksystem mit Pigmenttinten. Mit Hilfe einer energiesparenden Trockner-Fixier-einheit werden gegenüber dem sonst üblichen Reaktivdruck mehr als 60 Prozent Energie eingespart.

Was wünschen Sie sich für die künftige Zusammenarbeit?
Ich wünsche mir innovative Projektideen, die die Umwelt entlasten und den Mittelstand im Bereich der Textil- und Bekleidungsbranche nachhaltig stärken.