Denkendorfer Spinnereikolloquium

Rohstoffversorgung und -verarbeitung in der europäischen Spinnerei

Rund 200 Spinnereiexperten trafen sich Mitte Juni zum Spinnerei-Kolloquium des ITV in Denkendorf. Im Fokus der diesjährigen Veranstaltung standen die Potenziale des Luftspinnens und die Rohstoffversorgung- und verarbeitung. In diesem Zusammenhang prognostizierte Johannn Leitner von Lenzing einen Anstieg des globalen Faserverbrauchs von derzeit 78 Mio. Tonnen bis 2030 auf ca. 125 Mio. Tonnen. Der enorme Mehrbedarf könne durch die Erhöhung der Baumwollproduktion nicht abgedeckt werden. "Cellulosefasern wie Tencel und Modal werden aufgrund ihrer baumwollähnlichen Eigenschaften daher verstärkt zum Einsatz kommen", zeigte sich Leitner überzeugt.

Wie Spinnereien in naher Zukunft aufgestellt sein werden brachte Guiseppe Gherzi, Gherzi Textil Organisation, auf den Punkt. Nach seiner Einschätzung wird die Faserproduktion in der EU deutlich sinken. "Der Vormarsch der Asiaten auf den Welttextilmärkten wird sich weiter fortsetzen. Zunehmend wird dies auch auf der Fasersupplyseite zu Nachteilen für europäische Spinner führen. Was bleibt, sind logistisch, qualitativ, reklamationstechnisch komplexe Aufgabenstellungen vor allem im Bereich gehobener Endverbraucher-Brands, und als Offensivstrategie, die Hinwendung zu neuen Verfahren - namentlich dem Luftspinnen. Gleichzeitig werden die Technischen Textilien ihren Wachstumspfad fortsetzen - noch - relativ unbehelligt von nicht europäischen Importen", resümierte Gherzi.

Neben dem Themenschwerpunkt "Beschaffungsmarkt" gab das Kolloquium einen Überblick über aktuelle Produkt- und Verfahrensinnovationen. Besondere Aufmerksamkeit wurde dabei dem Thema Luftspinnen geschenkt, das für die Zukunft europäischer Spinnereien weiter an Bedeutung gewinnen wird, nicht zuletzt wegen der ökonomischen Vorteile diese Technologie. Von den Maschinenlieferanten werden jedoch eine größere Auswahl an Spinndüsen, eine Verbesserung im Griff der Flächenware und ein geringerer Luftverbrauch gefordert.