Die beste Entscheidung ist eine sichere Entscheidung

Festredner Dr. Markus Merk überzeugt mit treffsicherem Vortrag

Er pfiff 20 Jahre in der Fußballbundesliga und ist mit über 330 Spielen der absolute Rekordhalter: Dr. Markus Merk, seit 2012 "Weltschiedsrichter des Jahrzehnts", ist ein absoluter Profi im Entscheiden. Am 25. April war er als Festredner zu Gast auf der gemeinsamen Jahresversammlung von Südwesttextil und Gesamtmasche bei Marc Cain in Bodelshausen. Unter dem Motto "Sicher entscheiden" lud der Entscheidungsexperte die zahlreichen Textilunternehmer ein, von seinem Erfahrungsschatz zu profitieren.

"Schiedsrichter brauchen Mut zur Verantwortung, eine Basis um überhaupt solch eine exponierte Entscheidungs- und Führungsposition im Spitzenbereich ausüben zu können", führte er ein. Als Entscheider müsse man von einer hohen fachlichen Kompetenz und einem starken Leistungswillen geprägt sein. Akzeptierte Entscheidungen müssten konsequent, aber auch mit großer Gelassenheit, getroffen werden. Nur so erreiche man als Führungsspieler eine Nachhaltigkeit, Berechenbarkeit und persönliche Glaubwürdigkeit. "Diese Erfahrung musste ich erst einmal sammeln."

Entscheidungen machen oft auch unbeliebt - vor allem auf dem Fußballplatz. Aber Merk überzeugte die Gäste, dass er ja eigentlich ein ganz netter Kerl ist. Das sei von Berufswegen keine Voraussetzung: "Ich bin Zahnarzt und Schiedsrichter. Mit mir geht keiner einfach mal ein Bier trinken."

Die schnelle Entscheidung galt jahrelang für ihn als bestes Alibi für strittige oder sogar falsche Entscheidungen. Natürlich sehe er die Risiken, aber heute umso mehr die Chancen. Die einfache Regel des Volksmundes hätte sich für ihn überwiegend bestätigt: "Der erste Gedanke ist der Beste!" Die strittigsten Entscheidungen habe er zumeist dann getroffen, wenn er im Bruchteil von Sekunden versucht habe, sich eine zweite Wahrheit seiner Wahrnehmung zu konstruieren. In solchen Fällen könne sogar passieren, dass man umfällt. "Unverzeihbar ist es aber nur, wenn man nicht wieder aufsteht." Das habe schon Winston Churchill gesagt.

"Führungsspieler wie Beckham, Zidane und Figo sind meine Verhandlungs- und Vertragspartner auf dem Spielfeld, ohne die ich keine akzeptierten Verträge schließen kann", erklärte der Unparteiische den interessierten Zuhörern. Mit konsequenter Handschrift versuche er Nutzen zu stiften. Partner seien wichtig für den Erfolg und solche Bündnisse in der Entscheidungswelt des Fußballs für die Darstellung und Akzeptanz seiner Entscheidungen von weitreichender Bedeutung. "Ihre Ablehnung meiner Spielleitung kann zu einer eskalierenden Stimmung in den oft parteiisch, überemotionalen Fußballstadien führen. Ohne ein individuelles Management der Protagonisten ist heutzutage eine akzeptierte Spielleitung in großen Spielen nicht mehr möglich." Flexibilität sei gefragt, denn oft seien es in unseren Entscheidungswelten nur die Big Points, die in die Bewertung einfließen. Auf dem Spielfeld arbeite er aber 90 Minuten, versuche Spannungsfelder und Konflikte im Ansatz zu vermeiden, zum Schutz der Spieler vor den Angriffen ihrer Gegenspieler, aber auch oft vor sich selbst, erklärte er seine zentrale Rolle. "Ich präge das Spiel zu einem Großteil als Spielmacher mit, möchte aber dass der Fußball im Mittelpunkt steht und ich lieber als der unauffällige Projektleiter und akzeptierte Entscheider das Spielfeld verlasse. Je öfter mir dies gelingt, umso mehr beherrsche ich sie - die Kunst der sicheren Entscheidung." Seine aktive Laufbahn als Schiedsrichter hat Markus Merk beendet. Die als Zahnarzt auch. "Das Leben von der Hand in den Mund gefiel mir nicht mehr so." Derzeit ist er vor allem als Fußballkommentator für Sky tätig, gemeinsam mit Lothar Matthäus. "Ein unglaublich kompetenter Kollege," ließ er die Zuhörer wissen.

Nach einer Stunde Entscheidungstraining verabschiedete er sich vom textilen Publikum mit ganz entscheidenden Schlussworten: "Hier und jetzt - das Leben findet heute statt."