Die Chancen des Alters

Bildungstagung des Gesamtverbands textil+mode in Berlin

Die demografische Herausforderung der Gesellschaft – sinkende Geburtenraten, steigende Lebenszeiten – macht auch vor der Textil- und Bekleidungsindustrie nicht halt. Wie kann sich ein Unternehmen jedoch auf diese Veränderungen einstellen? Anfang Oktober trafen sich Vertreter von Industrie, Ministerien, freien Bildungsträgern, Schulen, Hochschulen und Verbänden auf einer Bildungstagung des Gesamtverbands textil+mode in Berlin, um Konzepte und mögliche Lösungswege zu diskutieren. Unter dem Motto "Chancen im Umgang mit älteren Menschen" wurden in zahlreichen Vorträgen und Gesprächsforen die demografische Entwicklung und ihre Auswirkung auf die Branche aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln näher betrachtet.

Nach der Begrüßung von Donata Apelt-Ihling, der Vizepräsidentin des Gesamtverbands textil+mode und Präsidiumsmitglied von Südwesttextil, stieg Professor Christian Scholz von der Universität des Saarlands mit seinem Vortrag in die Fachtagung ein. Er plädierte dafür, sich zu vergegenwärtigen, wer denn gemeint sei, wenn von "älteren Mitarbeitern" die Rede ist. Nach den Worten von Scholz seien es nicht die gebrechlichen Alten, sondern vitale über 50-Jährige, die sehr wohl noch am Arbeitsleben teilnehmen könnten. Genau vor diesem Hintergrund sei es falsch, Konzepte für ältere Mitarbeiter zu entwickeln. Vielmehr sei es für die Unternehmen wichtig, allgemeingültige Konzepte gegen Stress, für die Gesundheit und die generelle Weiterbildung der Mitarbeiter umzusetzen.

Einen möglichen Ansatz stellte Rolf Dolle, Personalleiter des Herstellers elastischer Binden Karl Otto Braun vor. "Lebensphasenorientierte" Personalpolitik ist das Konzept des Textilunternehmens aus der Pfalz. Dolle zeigte, wie zunächst in einer Bestandsanalyse Lebensphasen und allgemeine Themen der Personalentwicklung identifiziert werden. Daraus würden personalwirtschaftliche Aspekte abgeleitet, welche aber in den einzelnen Lebensphasen differieren könnten.

Ein weiteres personalpolitisches Konzept, wurde aus dem Bereich Modehandel von Sabine Schult-Kündgen, Warenhauskette Galeria Kaufhof vorgestellt. Sie hätten erkannt, dass man der demografischen Herausforderung frühzeitig mit personalpolitischen Weichenstellungen begegnen müsse. Zur Ermittlung des Status Quo habe man zunächst eine Bestandsanalyse durchgeführt und Informationen über Durchschnittsalter, Bildungsabschluss und weitere Strukturdaten der Beschäftigten ermittelt. Das Ergebnis: Die Mitarbeiter der Kaufhof Warenhausgruppe hätten ein Durchschnittsalter von 43,5 Jahren. Diese Erkenntnis sei die Basis für grundlegende strategische Ziele in der Personalpolitik. So möchte man erreichen, dass 70 Prozent der Führungskräfte künftig aus dem eigenen Nachwuchs kommen. Eine weitere Zielsetzung sei es, auch Führungskräften eine Arbeit in Teilzeit zu ermöglichen, umso die Mitarbeiter stärker ans Unternehmen zu binden.

In weiteren Vorträgen und Gesprächsforen wurde durch unterschiedlichste Ansätze die Problematik näher beleuchtet. Neben den Themen Gesundheitsmanagement im Unternehmen und politische Rahmenbedingungen der Demografie bildeten die innovativen Ansätze in der Weiterbildung durch die neuen Instrumente der Informationstechnologie einen Schwerpunkt.
Zum Abschluss waren sich die Teilnehmer über einen weiteren Aspekt einig: Eine innovative Ausbildung kann einen entscheidenden Beitrag bei der Bewältigung der zukünftigen Herausforderungen leisten.

Im YouTube-Kanal von Südwesttextil findet sich ein kurzes Video zur Veranstaltung.