Digitale Transformation ist Chefsache

Auftaktveranstaltung zu Industrie 4.0 der Textil- und Modeindustrie in Berlin

Digitale Produkte und Prozesse prägen auch die deutsche Textilund Modeindustrie. Der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie und das Forschungskuratorium Textil initiieren deswegen eine Veranstaltungsreihe, um textil+mode 4.0 voran zu bringen.

Die Auftaktveranstaltung fand am 11. Februar in den Design Offices Berlin statt und wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unterstützt. Insgesamt haben 50 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Forschung an dieser ersten Netzwerkveranstaltung teilgenommen. Ingeborg Neumann, Präsidentin von textil+mode, verwies auf die strategische Bedeutung des Themas für die Unternehmensentwicklung. Für die Bekleidungsindustrie sind Wearables wichtige Teile des künftigen Angebots. Mode lebt vom Anfassen und Wohl - fühlen: Wir fühlen den Stoff unserer Kleidung. In Zukunft wird der Stoff auch uns fühlen und Funktionsträger zur Messung aller möglichen „Big Data“ werden. Digitale Showrooms werden selbstverständlich neben die heutigen Produktpräsentationen treten.

Außerdem ist Individualisierung ein Trend, der die Modeindustrie vorantreibt: kleine Losgrößen können durch Digitalisierung und Automatisierung der gesamten Wertschöpfungskette über den Vertrieb bis zum Kunden wirtschaftlich hergestellt werden. „Die digitale Transformation ist Chefsache“, betonte Ingeborg Neumann. Sie ist überzeugt, dass alles, was digitalisiert werden kann, digitalisiert wird. Bei der Umsetzung seien drei Kriterien entscheidend: Geschwindigkeit, Ideenreichtum und unkonventionelle Lösungen. Dabei könnten Start-ups eine große Hilfe sein, so die Präsidentin. Auch Branchengrenzen würden durch die Digitalisierung verschwimmen.

Staatssekretärin Iris Gleicke
Foto: Staatssekretärin Iris Gleicke

Iris Gleicke, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundeswirtschaftsminister und Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung, betonte, dass die Digitalisierung hin zur Industrie 4.0 eine Aufgabe ist, die Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften und Wissenschaft gemeinsam angehen müssen. Nicht alle Fragen könnten schon vor dem Prozess beantwortet werden. Chancen und Risiken sind vielmehr „auf dem Weg zu klären“. Auch die kleinen und mittelständischen Unternehmen dürften dabei nicht auf der Strecke bleiben.

Einen Blick in die Praxis zeigten Christine Schneider von Südwesttextil für die Textilindustrie, Andreas Schneider, GermanFashion (GCS Consulting GmbH) für die Bekleidungsindustrie und Markus Reichwein von Oerlikon Textile für den Maschinenbau. Alle drei machen deutlich, dass die ersten Schritte gemacht sind, aber oftmals gar nicht als Industrie 4.0 erkennbar sind.

Fundierte theoretische Grundlagen erarbeiten die Textilforschungsinstitute. Prof. Dr. Meike Tilebein, Leiterin des Zentrums für Management Research der Deutschen Institute für Textil- und Faserforschung Denkendorf, machte den Auftakt beim Blick in die Forschung. Sie benannte Branchenbeispiele mit Potentialen dieser neuen industriellen Entwicklung. Sten Döhler vom Sächsischen Textilforschungsinstitut stellte das Forschungsprojekt future-TEX vor und abschließend präsentierte Prof. Dr. Yves-Simon Gloy, Institut für Textiltechnik (ITA) an der RWTH Aachen, die Möglichkeiten der Digitalisierung in der gesamten textilen Wertschöpfungskette.

Die folgende Podiumsdiskussion verdeutlichte nochmals die Bedeutung des Themas. Sie zeigte aber auch, dass die Hausaufgaben wie Datensichheit oder schnellere Netze nicht zu vernachlässigen sind.

Die nächsten Veranstaltungen zum Thema stehen schon fest: Am 16. März findet das gemeinsame Seminar von DITF, AFBW und Südwesttextil bei Groz-Beckert in Albstadt statt und am 5. April geht es in Frankfurt weiter mit der Veranstaltungsreihe textil+mode 4.0.