EEG-Umlage steigt ungebremst

Weitere Belastung deutscher Unternehmen im kommenden Jahr vorprogrammiert

Die deutschen Übertragungsnetzbetreiber rechnen 2012 mit einer weiteren Erhöhung der EEG-Umlage. Aufgrund des Zubaus neuer Solar- und Windkraftanlagen gehen sie von einem Anstieg um rund zehn Prozent aus. Das entspricht einer Erhöhung der Umlage von heute 3,5 auf rund 3,8 Cent je Kilowattstunde.

Die Erneuerbare-Energien-Umlage für 2012 wird von den vier Übertragungsnetzbetreibern am 14. Oktober veröffentlicht. Das Bundeskabinett hatte im Zuge der Energiewende beschlossen, dass die Umlage nicht über das aktuelle Niveau hinaus steigen soll. Im Februar war sogar noch über eine Senkung ab Januar 2012 spekuliert worden, da die Abgabe für 2011 zu hoch angesetzt worden sei. Im August war das Umlage-Konto der Netzbetreiber, auf das die Zahlungen fließen, mit rund 450 Millionen Euro im Minus. Um künftig nicht weiter in Vorleistung treten zu müssen, dürften die Betreiber einen zusätzlichen Beitrag als Puffer erheben.

Schon heute ist die Energiekostenbelastung der deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie im europäischen Vergleich immens. Dr. Wolf-Rüdiger Baumann, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes textil+mode, fordert daher ein "EEG-Reparaturgesetz", um der Bestrafung der Produktion am Standort ein Ende zu setzen. Die Energiewende sieht er als gesamtstaatliche Aufgabe, die aus dem allgemeinen Haushalt zu finanzieren sei. Wichtig ist ihm insbesondere die Deckelung: "Eine EEG-Umlage von 2 Cent pro Kilowattstunde stellt die Schmerzgrenze bei der Belastung des Strompreises dar".

Den meisten Betrieben hilft auch die neue Härtefallregelung nicht: 99,5 Prozent aller Unternehmen zahlen die volle Umlage. Wer die Grenze zum Härtefall erreicht, zahlt hingegen fast nichts. Die Folge: Firmen, die knapp über der festgesetzten Schwelle liegen, wären schlecht beraten, ihre Effizienz zu steigern. Wer jedoch knapp darunter liegt, wird zum verschwenderischen Umgang ermutigt. Die EEG-Umlage ist in den letzten beiden Jahren um rund 170 Prozent gestiegen. In diesem Jahr werden sich die Subventionen auf 13 Mrd. Euro belaufen.

Härtefall - ja oder nein?
''Die neue EEG-Härtefallklausel sieht ab 2012 gegenüber der alten Regelung gewisse Verbesserungen vor. Sie kann nun auch von Unternehmen genutzt werden, die mindestens 1 Million Kilowattstunden Strom pro Jahr verbrauchen; zuvor hatte die Schwelle bei 10 Millionen gelegen. Voraussetzung ist jedoch, dass der Stromkostenanteil an der Bruttowertschöpfung mindestens 14 (vorher 15) Prozent ausmacht.

Damit Unternehmen der Branche ermitteln können, ob die Erleichterung für sie in Betracht kommt, hat der Gesamtverband textil+mode ein „Härtefall-tool“ entwickelt. Ein Excel-Sheet zur Ermittlung des Stromkostenanteils an der Bruttowertschöpfung bietet schnelle Orientierung. Unter http://www.suedwesttextil.de kann die Kalkulationshilfe heruntergeladen werden. Wer das Tool genutzt hat, wird gebeten, mit Christine Schneider Kontakt aufzunehmen.''

Bild: Thorben Wengert / www.pixelio.de