Eisbärhaus und Antropoden

Bauen mit technischen Textilien

Eisbärhaus des ITV Denkendorf
Foto: Eisbärhaus des ITV Denkendorf

Unter Leitung des Instituts für Textil- und Verfahrenstechnik (ITV) der Deutschen Institute für Textil- und Faserforschung baut ein Team von spezialisierten Industrieunternehmen gegenwärtig ein innovatives Demonstrationsgebäude, das energetische Grundlagen aus der Bionik beinhaltet. Ziel ist es, Bauten mit einer textilen Hülle wie Zelte oder Dächer für Stadien, Flughäfen und Bahnhöfe auszustatten, um nicht nur gute Wärmedämmung zu erreichen, sondern sie auch energetisch autark zu machen. Hierfür wird auf das Prinzip des Eisbärfells zurückgegriffen: Das Licht wird durch das Fell durchgeleitet, erwärmt die schwarze Haut und isoliert die Wärme nach außen.

In der Gebäudehülle wird eine flexible transparente Wärmedämmung verwendet, die aus mehreren Lagen Folien sowie beschichteten und unbeschichteten Textilien besteht. Im Inneren dieser Schicht wird ein Luftstrom durch die Sonneneinstrahlung bis zu 140 Grad heiß. Dieser leitet die Wärme in einen Speicher, indem sie verlustfrei vom Sommer in die Winterzeit gelagert werden kann. Zum Inneren des Baus hin sorgt eine weitere Schicht für eine hohe Wärmedämmung. Nach der Testung des Demonstrationsgebäudes – das von der EU und dem Umweltministerium Baden-Württemberg gefördert wird - sollen die Forschungsarbeiten fortgesetzt werden, um die Technik preiswerter und wirtschaftlicher zu gestalten.

Das AFBW Anwenderforum Bauen mit faserbasierten Werkstoffen wird am 15. November vor Ort stattfinden. In dieser Veranstaltung wird die Einbeziehung technischer Textilien in den Bereich Architektur und Bau betrachtet. Außerdem werden aktuelle Innovationen aus Bereichen wie dem derzeitigen Forschungspavillon des Instituts für Computerbasiertes Entwerfen (ICD) und dem Institut für Tragkonstruktionen und Konstruktives Entwerfen (ITKE) vorgestellt. Beide Institute arbeiten zusammen an einem neuen temporären Forschungspavillon. Der Fokus liegt auf bionischen Entwurfsstrategien. In diesem Fall wird die strukturelle Morphologie der natürlichen Faser-Composite, wie sie im Außenskelett der Antropoden zu finden sind, übertragen in ein Glasfaser- und Karbonfaser verstärktes Composite-Material, das durch einen Fertigungsroboter in Form einer Endlosfaser zu einer tragfähigen Struktur verarbeitet wird. Auf Facebook kann man die Entwicklung des Pavillons im Detail verfolgen.