Enterprise Experience für EU-Mitarbeiter

Kommissionsbeamter zu Gast bei J. H. Ziegler in Achern

EU-Beamte sollen Firmenluft schnuppern und Unternehmen die Institutionen der Europäischen Union besser kennenlernen. Das ist – auf einen kurzen Nenner gebracht – das Ziel des Enterprise- Experience-Programms (EEP) der EU-Kommission, in dessen Rahmen Beamte der Generaldirektion Unternehmen und Industrie zu einwöchigen Gastaufenthalten in kleine und mittlere Firmen entsandt werden.

J. H. Ziegler in Achern, Hersteller und Konfektionär von technischen Vliesstoffen, Vliesstoff-Schaum-Composites und Wattevliesen, hat sich zur Teilnahme am EEP entschlossen und Anfang Juli einen Gast aus Brüssel empfangen: Norbert Anselmann, in der Generaldirektion Unternehmen zuständig für Standardisierungsfragen, lernte das Vliesstoffwerk für eine Woche von innen kennen.

"Wir möchten die Chance nutzen, einen Draht in die Kommission aufzubauen", sagt Geschäftsführer Dr. Peter Hartwig. "Und für Beamte der Kommission ist so ein Aufenthalt sicher hilfreich, um unsere Probleme im täglichen Geschäft besser zu verstehen." Tatsächlich reichten die diskutierten Themen dann auch von Normungsfragen bis zur Antidumping-Politik der EU.
"Wir möchten, dass die Anliegen der Unternehmen in der EU-Rechtsetzung gebührend berücksichtigt werden", meint Norbert Anselmann. Doch dafür muss zunächst das bessere gegenseitige Verständnis her.

Die EU-Beamten nehmen im EEP zum einen die Rolle als "Botschafter" der Kommission ein, fungieren aber zum anderen als Brücke in die Kommission hinein – auch zu Kollegen in ganz anderen Fachbereichen.
Das EEP läuft bereits im dritten Jahr. Ende 2009 sollen ca. 150 EU-Beamte einen Ausflug in die Unternehmenspraxis absolviert haben. Für den Aufenthalt im Gastgeberunternehmen ist kein bestimmtes Format vorgeschrieben. Termine und Programm werden zwischen den Teilnehmern auf Brüsseler Seite und den Firmen abgestimmt.

Zumeist gehört zu einem Besuch die Begleitung wichtiger Mitarbeiter, Vermittlung fachlicher Expertise, die Erläuterung von Politikvorhaben oder ein gemeinsames Gespräch mit Einrichtungen der Wirtschaft.
Beim Besuch von J. H. Ziegler nutze Silvia Jungbauer, Außenwirtschaftsreferentin von Südwesttextil, die Chance, Norbert Anselmann für die Belange der Textil- und Bekleidungsindustrie zu erwärmen.

Für viele mittelständische Betriebe ist die EU-Kommission ein unübersichtlicher und bürokratischer Apparat. Alleine die DG Unternehmen beschäftigt an die 1 000 Mitarbeiter und ist verantwortlich für ein Budget von rund 500 Mio. Euro. Sie soll das reibungslose Funktionieren des Binnenmarktes für Waren gewährleisten und dafür sorgen, dass sich die politischen Maßnahmen der EU positiv auf die Wettbewerbsfähigkeit auswirken – und nicht etwa anders herum.

Besondere Aufmerksamkeit wird dabei dem verarbeitenden Gewerbe sowie kleinen und mittleren Unternehmen geschenkt. Die Generaldirektion verwaltet zudem Programme zur Förderung des Unternehmertums und der Innovation. Inzwischen haben ca. 70 Prozent der deutschen Gesetze ihren eigentlichen Ursprung in Brüssel. Und genau dort muss angesetzt werden, wenn Gesetzgebung und Politikprozesse effektiv beeinflusst werden sollen.

Deutschland als bevölkerungsreichstes EU-Mitglied hat bei der europäischen Meinungsbildung zwar großes Gewicht. Letztlich müssen aber alle Entscheidungen mit den anderen 26 Mitgliedstaaten verhandelt werden. Und in einigen Politikbereichen gilt sogar die Regel: "One Member State, one vote". In solchen Fällen wiegt die Stimme aus Deutschland genauso viel wie eine aus Luxemburg oder Malta. Der EU-Kommission kommt dabei eine starke Stellung zu, da sie das Vorschlagsrecht besitzt. Gute Gründe also, um den direkten Kontakt nach Brüssel zu pflegen.

Bei Interesse für das Programm "Enterprise Experience" Kontakt über Silvia Jungbauer.