Erneuerbare Energie

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Der günstige Windkraftstrom aus dem Norden Deutschlands muss zukünftig zu den Verbrauchern in den Süden − dazu ist ein Stromnetzausbau notwendig. Nach dem Energiegipfel der Koalition in Berlin sind nun wesentliche Grundsatzentscheidungen gefallen. Der Strom wird dadurch auf absehbare Zeit noch teurer.

Der gesetzliche Vorrang für die unterirdische Verlegung ist beschlossen, um die Akzeptanz für neue Stromtrassen beim Bürger zu erhöhen. Ob dies tatsächlich eintritt, bleibt abzuwarten. Denn u. a. ist bei einer zwei Gigawatt-Leitung ein Korridor von 25 Metern Breite und ggf. hunderte Kilometer Länge, nebst zu und Abfahrtsstraßen, betroffen, da die Gleichstromleitungen aufgrund der Wärmeentwicklungen auf Abstand verlegt werden müssen. Bei einer vier Gigawatt Leitung wäre der Korridor demnach doppelt so breit.

Je nach Gelände und Bodenbeschaffenheit ist die Verlegung im Boden nach derzeitigen Schätzungen des Netzbetreibers Tennet der Kostenfaktor drei bis acht Mal so hoch wie bei einer vergleichbaren konventionellen Wechselstromüberlandleitung. Die Erdverkabelung führt dazu, dass sich der Strompreis über höhere Netzentgelte nach Einschätzung des Verbands der bayerischen Wirtschaft um etwa 0,3 Cent/kWh in Zukunft erhöhen wird. Auch die jährliche Entschädigung von 230 Millionen Euro für die Bereitstellung von Kohlereservekraftwerken macht das Ganze nicht billiger.

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Passend dazu hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) die Studie „Stromkosten der energieintensiven Industrie − Ein internationaler Vergleich“, die von Ecofys und Fraunhofer ISI durchgeführt wurde, veröffentlicht. Sie untersucht detailliert die Zusammensetzung von Strompreisen in Deutschland und zehn anderen Staaten. Sie zeigt auf vier Untersuchungsebenen, welche Auswirkungen die Ausnahmeregelungen für die Wettbewerbsfähigkeit von Industrieunternehmen in Deutschland haben. Die Gutachter kommen zu dem Schluss, dass die bestehenden Ausnahmeregelungen für stromintensive Unternehmen die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie stützen und gesamtwirtschaftlich positiv wirken.

Auf Intervention des Gesamtverbands textil+mode wurde in den Vergleich der Stromkosten (Abb. 23 auf Seite 74 der Zusammenfassung) noch ein Beispiel für ein Textilunternehmen aufgenommen, das nicht von den Ermäßigungsregelungen des EEG profitiert.

Im deutschen Gasmarkt könnte mit Wirkung zum 1. Oktober wenigstens durch eine kleine administrative Änderung eine Entlastung erzielt werden. Durch die Bundesnetzagentur (BNetzA) wurde ein „Beschluss zum Festlegungsverfahren zur Bilanzierung Gas“ (GabiGas 2.0) veröff entlicht. Dieser soll unter anderem abrechnungsrelevante Daten und Bilanzierungsperioden im Zusammenhang mit dem Einsatz von Regelenergie transparenter und bundesweit einheitlicher regeln. Für die beiden Marktgebietsverantwortlichen (NCG und Gaspool) in Deutschland ergibt sich aus der GabiGas 2.0 eine wichtige Vorgabe. Die NetConnect Germany GmbH und die Gaspool Balancing Service GmbH werden verpflichtet, getrennte Bilanzierungskonten für Kunden mit registrierender Leistungsmessung (RLM) sowie Standardlastprofilen (SLP) zu ermitteln und zu erheben. Dieses wird durch separate Bilanzierungsumlagen für die verschiedenen Endabnehmergruppen umgesetzt.

Die NCG legt die Bilanzierungsumlage sowohl für SLP als auch für RLM Kunden auf 0,00 EUR/MWh fest. Im Gebiet der Gaspool wird eine Umlage in Höhe von 1,50 EUR/MWh für SLP-Kunden erhoben. Für RLM-Kunden beträgt dort die Umlage 0,00 EUR/ MWh.

Die Sätze für die Bilanzierungsumlage werden zunächst für sechs Monate, danach für jeweils zwölf Monate festgelegt. Die bisher erhobene Regel- und Ausgleichsenergieumlage Gas wird in Zukunft entfallen und durch oben beschriebene Bilanzierungsumlage ersetzt. Die Gaslieferanten werden diese Änderungen im Regelfall 1:1 an den Endkunden weitergeben; die vertraglichen Regelungen sehen dies nahezu immer so vor. Für die meisten Abnahmekonstellationen ist dies tendenziell mit Kostensenkungen verbunden. Durch die neu eingeführte Bilanzierungsumlage könnte es sogar zu Ausschüttungen für den Endkunden kommen.