Etiketten im Fokus

Workshop Textilkennzeichnung bei Marc Cain

Das Thema Kennzeichnung hat weiter Konjunktur: Gut 30 Kennzeichnungsinteressierte trafen sich Ende Juni zum jährlichen Workshop Textilkennzeichnung von Südwesttextil und Gesamtmasche, um sich über Fragen rund ums Etikett auszutauschen. Bereits die Location begeisterte – beim gastgebenden Unternehmen Marc Cain in Bodelshausen durften die Teilnehmer dort über Baumwolle, Herstelleradressen und Pflegehinweise diskutieren, wo sonst die neuen Kreationen des Premium-Herstellers auf dem Laufsteg präsentiert werden. „Nichts geht über die Diskussion praktischer Fälle“, ist sich Silvia Jungbauer sicher, die zu verschiedenen Aspekten der Kennzeichnung referierte. „Kein Produkt ist wie das andere. Wechselnde Kollektionen und neue Zielmärkte bedeuten, dass die Produktkennzeichnung ständig auf den aktuellen Stand gebracht werden muss.“

und Rechtsanwältin Gabriele Bernhardt (links) von der Wettbewerbszentrale informierten die Teilnehmer wieder ausführlich zum Thema Textilkennzeichnung und gaben wertvolle Tipps aus der Praxis.
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Foto: und Rechtsanwältin Gabriele Bernhardt (links) von der Wettbewerbszentrale informierten die Teilnehmer wieder ausführlich zum Thema Textilkennzeichnung und gaben wertvolle Tipps aus der Praxis.

Der elektronische Handel, ob über Plattformen oder in eigenen Markenshops, gewinnt immer größere Bedeutung. In Online-Shops ist die Kennzeichnung besonders exponiert. Rechtsanwältin Gabriele Bernhardt von der Wettbewerbszentrale Stuttgart rät bei der E-Shop-Gestaltung unter anderem zu übersichtlicher und leicht auffindbarer Darstellung insbeson-dere der Rohstoffkennzeichnung: „Wer bei einer Produktabbildung auf einen Detail-Button klickt, muss sich auch gleich über die Materialzusammensetzung informieren können. Aktuelle Gerichtsentscheidungen verlangen sogar einen Hinweis im Warenkorb, da das verwendete Material als wesentliche Produkteigenschaft angesehen wird – genauso wie Farbe oder Größe.“

Kunden korrekt und verständlich informieren wollen wohl alle Unternehmen. Doch die gesetzlichen Bestimmungen dazu erscheinen zuweilen weder wirtschafts- noch verbraucherfreundlich. Wer sich aber nicht an die Vorgaben hält, riskiert schnell Bußgelder, Abmahnungen durch Wettbewerber oder Kundenbeschwerden. Der Trend zu unnötig strikten Kundenanforderungen im Bereich Labelling hat sich bereits etabliert. Dazu gehört die Übersetzung in die Sprache von nicht bedienten Absatzmärkten genauso wie die Forderung, Etiketten in jedem Fall einzunähen. „Die Gesetzgebung ist schon streng genug“, meint Jungbauer und warnt: „Übererfüllung wird irgendwann zum Standard.“ Fazit: Nicht gleich ins Bockshorn jagen lassen. Dazu muss man allerdings gut informiert sein. Wer zum Experten-Austausch kommt und am verbandlichen Kompetenznetzwerk zur Textilkennzeichnung teilnimmt, hat in jedem Fall gute Karten.