Etiketten ohne Ende

Neue Auflagen und alte Pflichten machen richtige Kennzeichnung zur Wissenschaft

Seit Veröffentlichung der neuen EU-Textilkennzeichnungsverordnung ist die Branche in Aufregung. Zwar bleiben die grundsätzlichen Regelungen, wie sie bereits seit Jahren im Rahmen des Textilkennzeichnungsgesetzes gültig sind, bestehen. Dennoch ist Vorsicht angebracht. Harmlos erscheinende Veränderungen bei Ausnahmetatbeständen oder bei der Angabe geringfügiger Faseranteile können im Einzelfall große Bedeutung haben. Vor allem die neue Auflage, auf tierische Bestandteile wie Leder, Pelz, Perlmutt oder Federn mit einem sperrigen Satz hinzuweisen, sorgt für Unruhe. Darüber hinaus zeigt die Diskussion um die neue Verordnung, dass auch einige der seit Jahren geltenden Regelungen nicht immer bekannt sind.

Aufgrund der vielfältigen Anfragen rund um das Thema Kennzeichnung und Etikettierung luden Südwesttextil und Gesamtmasche am 18. September zum Workshop "Etiketten ohne Ende" nach Stuttgart ein. Im Vordergrund standen praktische Fragestellungen und häufige Fehlerquellen bei der Umsetzung der EU-Verordnung. Neben der Rohstoffangabe wurden dabei auch die Herstellerkennzeichnung gemäß Produktsicherheitsgesetz und die Ursprungsangabe "Made in" diskutiert.

Rechtsanwältin Gabriele Bernhardt beleuchtete die Rechtsfolgen bei Verstößen gegen die Kennzeichnungsvorschriften. Neben möglichen Ordnungswidrigkeiten und zivilrechtlichen Folgen ging sie vor allem darauf ein, wie sich Abmahnfallen vermeiden lassen. Abmahnungen haben mit der Zunahme des Internet-Vertriebs eine neue Qualität erreicht. Online-Shops lassen sich von Profis mit ein paar Klicks auf neuralgische Punkte überprüfen. Dazu gehören neben der Textilkennzeichnung auch die Anforderungen, die mit der neuen "Button-Lösung" verbunden sind. So müssen dem Käufer laut BGB-Änderung wesentliche Informationen unmittelbar vor der Bestellung "klar und verständlich in hervorgehobener Weise" zur Verfügung gestellt werden. Neben dem Gesamtpreis und den Versandkosten gehören dazu auch wesentliche Merkmale der Ware.

''Arbeitshilfen für die internationale Kennzeichnung Schurwolle auf Chinesisch, Taschenfutter auf Arabisch oder "links waschen" auf Polnisch: Die DTB-Tabelle zu länderspezifischen Anforderungen bei der Kennzeichnung bietet die Antwort. Neben Materialbezeichnungen, Pflegehinweisen und textilen Komponenten bietet das Kennzeichnungskompendium auch Übersetzungen für Ursprungsangaben. Die Excel-Tabelle kann für 360 Euro zzgl. MwSt. beim Dialog Textil-Bekleidung bezogen werden - inklusive Updates. Mitglieder von Südwesttextil und Gesamtmasche erhalten 50 Prozent Rabatt.

Der Gesamtverband textil+mode hat eine Sammlung der Fasernamen aus Anhang I der EU-Textilkennzeichnungsverordnung in den verschiedenen Amtssprachen der Europäischen Union herausgegeben, außerdem Übersetzungen für den Hinweissatz "enthält nicht-textile Teile tierischen Ursprungs". Die Listen können im Mitgliederbereich von http://www.suedwesttextil.de abgerufen werden. Der Originaltext der EU-Verordnung in allen EU-Amtssprachen kann im elektronischen EU-Amtsblatt unter http://bit.ly/QfQ2GS abgerufen werden.''