EU erwägt Strafzölle

Antidumping-Verfahren gegen hochfeste Polyestergarne aus Asien

Der Textilindustrie in Deutschland und ganz Europa drohen Strafzölle auf Einfuhren hochfester Polyestergarne. Anfang September hat die EU-Kommission ein Antidumping-Verfahren gegen Garne aus China, Südkorea und Taiwan eingeleitet.
Damit reagiert Brüssel auf eine Klage des europäischen Chemiefaserverbandes CIRFS, die dieser stellvertretend für drei seiner Mitglieder – Performance Fibers, Polyester High Performance und Brilén – eingereicht hat. In der Klageschrift wird von hohen Dumpingspannen ausgegangen, bei China sogar bis zu 48 Prozent. Mindestens in dieser Höhe könnten sich Strafzölle bewegen, die den Nachteil der klagenden Filamenthersteller durch das angebliche Dumping wettmachen sollen.

Dies hätte weitreichende Konsequenzen, denn der Importanteil an den in Deutschland eingesetzten hochfesten Polyestergarnen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Neben günstigeren Preisen bei Drittlandsgarnen spielt die benötigte Typenvielfalt eine Rolle. Hinzu kommt, dass die Beschaffungsbasis in der EU immer mehr zusammenschrumpft.

Hochfeste Polyesterfilamentgarne haben ein breites Anwendungsspektrum und werden vor allem zu technischen Textilien verarbeitet. Von Reifencord über Sicherheitsgurte, Förderbänder, Antriebsriemen und Ladungssicherungssysteme bis hin zu Schläuchen, Seilen, Geotextilien und Nähfäden reichen die vielfältigen Einsatzzwecke. Entsprechend groß ist die Anzahl betroffener Unternehmen, darunter auch viele Südwesttextil-Mitglieder.
Doch die Textilindustrie wehrt sich. Nicht nur in Deutschland formiert sich der Widerstand, auch in einigen Nachbarstaaten. Das ist auch unbedingt notwendig: Meldeten sich die Verwender des Garns nicht zu Wort, würde die EU-Kommission sehr wahrscheinlich den – ihrer Ansicht nach plausiblen – Argumenten der Kläger folgen. Das Votum der EU-Mitgliedstaaten wäre dann nur noch ein formeller Akt, um prohibitiv hohe Strafzölle für mehrere Jahre zu besiegeln.

Der Gesamtverband textil+mode setzt sich gemeinsam mit seinen Mitgliedsverbänden und den betroffenen Unternehmen für die Einstellung des Verfahrens ein.
Die Kommission hat für ihre Untersuchung maximal neun Monate Zeit. Dann spätestens muss über die Verhängung vorläufiger Zölle entschieden werden. Für gewöhnlich wird dieser Zeitrahmen auch ausgeschöpft. Doch die Verfahrensuhr tickt, denn die Frist für Eingaben von Verwenderseite endet bereits am 19. Oktober. Damit Stellungnahmen in Brüssel tatsächlich Berücksichtigung finden, muss ein umfangreicher Fragenkatalog beantwortet werden.

Die Fragebögen der EU-Kommission sowie nähere Informationen zu dem Verfahren sind bei Südwesttextil erhältlich (Silvia Jungbauer, Tel.: 0711 – 21050-13, [javascript protected email address])