Eurasischer Protektionismus

Zollunion Russland-Kasachstan-Belarus droht mit Schutzzöllen auf Gewebe

Die Zollunionsländer Russland, Belarus und Kasachstan klagen über steigende Gewebeeinfuhren. Safeguards sollen Abhilfe schaffen: Im Oktober haben die drei Staaten ein Untersuchungsverfahren zur möglichen Einführung von Schutzzöllen auf verschiedenste Gewebe eingeleitet. Zahlreiche Stoffe der Tarifkapitel 54 und 55 stehen auf der Liste der betroffenen Waren.

Angesichts zunehmender Importkonkurrenz haben die Hersteller LLC „Baltex“, LLC „Detskaya Odezhda“, CJSC „Dontex“, OJSC „Kursk Factory of Technical Fabrics“, OJSC „Mogotex“ und LLC „Tchaikovskaya Textile Company“ Beschwerde bei der Eurasischen Wirtschaftskommission eingereicht. Zwischen 2009 und 2011 sind die Einfuhren von Geweben aus synthetischen und künstlichen Fasern und Filamenten nach Behördenangaben um knapp 56 Prozent gestiegen - zu stabilen Preisen. Gleichzeitig ist das Marktvolumen der betroffenen Gewebearten in den Ländern der Zollunion - ebenfalls nach Behördenangaben - im gleichen Zeitraum um über 46 Prozent gestiegen.

Wenn die in der Zollunion beheimateten Hersteller trotz des gewaltigen Marktwachstums und der gleichbleibenden Einfuhrpreise weniger verkaufen, lässt sich das kaum der ausländischen Konkurrenz in die Schuhe schieben. Dennoch ist von einer „ernsthaften Bedrohung“ der heimischen Wirtschaft die Rede. Macht die Eurasische Zollunion ernst, könnte das auf Abwehrmaßnahmen in Form hoher Schutzzölle oder sogar Importquoten hinauslaufen - unabhängig davon, woher die Ware stammt. Von Safeguards wären also auch deutsche Gewebehersteller betroffen, ebenso Firmen aus den EU-Nachbarländern, vor allem aus Italien. Der europäische Dachverband Euratex und der Gesamtverband textil+mode haben sich in dem Verfahren daher offiziell als „Interessierte Partei“ registrieren lassen.

Firmen, die Gewebe der betroffenen Tarifkapitel nach Russland exportieren, sollten dringend prüfen, ob ihre Produkte von der Untersuchung erfasst sind und sich im Zweifel umgehend bei Südwesttextil melden. Die Liste der betroffenen Waren und weitere Informationen können dem Außenwirtschaftsblog im Mitgliederbereich entnommen werden.

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