Farbige Kabinen gegen Jetlageffekte

AFBW-Anwenderforum Mobilitätstextilien zu Besuch bei Ettlin

Insbesondere im Bereich der Mobilität sind erhebliche Potenziale für den Einsatz von Textilien nicht ausgeschöpft – das ist das Fazit des Anwenderforums Mobilitätstextilien. Am 22. März veranstaltete die Südwesttextilmitgliedsfirma Ettlin dieses Treffen zusammen mit der AFBW und bereitete den Teilnehmern in Ettlingen einen gebührenden Empfang: Das großflächig angebrachte ETTLIN lux® Effektgewebe erzeugte durch hinterlegtes LED Licht in der umgebauten Lagerhalle dreidimensionale Raumstrukturen und Wirkungen. Dass das Gewebe nicht nur im Mobilitätsbereich eingesetzt werden kann sondern auch als Verbundmaterial, davon ist Dr. Frauke Hänsch, Leitung Entwicklung / QS des Unternehmens, überzeugt.

Einblicke an den Anspruch von Mobilitätstextilien im Bereich des Flugzeug- und Automobilbaus gaben die Referenten direkt aus der Praxis. Dr. Dietmar Völkle, Head of Innovation bei Diehl Aircabin GmbH, präsentierte die Anforderungen, die an eine Flugzeugkabine gestellt werden: Sicherheit, Ökologie und Komfort. Er zeichnete auf, dass jedes Kilogramm, das beim Flugzeugbau eingespart werden kann, etliche Liter Kerosin einspart. Hier könnten in Zukunft Textilien eine noch größere Rolle spielen, denn sie passten ins Anforderungsprofil. Interessant sei die Überlegung, Jetlageffekte durch unterschiedliche Farbegestaltungen in der Kabine zu beeinflussen. So könne man z. B. die Passagiere durch ein modifiziertes Licht, nach und nach aufwachen lassen, um einen reibungsloseren Ablauf des Services zu garantieren. Zu Funktionsintegration und Leichtbau meinte der Flugzeugexperte: "Schön wäre es, wenn noch mehr Materialvielfalt da wäre."

"Warum betrachten Autobauer eigentlich Smart Textiles?" Diese Frage stellte Holger H. Meinel von der Daimler AG und antwortete mit der Präsentation von Automotive Trends und Zukunftsentwicklungen, die den Automobilbau verändern werden. Schlüsselbegriffe seien die Themen Licht, textile Bewegungsdeduktoren im Sitz oder die aktive Insassensicherheit durch intelligente technische Textilien. Und interessant sei die Heizungsproblematik, die zukünftig vielleicht nicht nur textilintegriert, sondern direkt in 3-D Webtechnik, inklusive Physiologie gelöst werden könne. Ein wichtiger Aspekt bei allen Smart Textiles: Vieles könne miteinander kombiniert werden.

Über die Bedeutung von Textilien beim Thema Mobilität referierte Christoph Riethmüller vom ITV Denkendorf und wies im schienengebundenen Verkehr auf die Megacities der Zukunft hin. Aber auch die E-Mobilität oder die Kabinen der LKW-Fahrer – die fahrenden Wohnzimmer – böten Potenziale, so Riethmüller. Energieeffizienz müsse ganz weit oben angesetzt werden und neue unterschiedliche Gestaltungskonzepte für Fahrer und Passagiere – der eine wünsche Einblendung, der andere Komfort – entwickelt werden. Die Fahrzeuge der Zukunft würden kleiner, ohne an optischer Größe zu verlieren, denn diese könne durch Lichtstrukturen erzeugt werden.

Und warum nicht gleich Wolle oder Wollmischungen im Innenraum? Wolle sei die Hightech Faser schlechthin: perfekter Temperaturausgleich, sehr gutes Feuchtigkeitsmanagement, sie verhindere Geruchsbildung, reguliere das Körperklima perfekt, sei umweltfreundlich und selbstreinigend, so Kurt Haselwander, CEO der Schoeller-Spinnereigruppe, in der Vorstellung seines Konzepts. Sein Ziel – Wolle wieder "salonfähig" machen. Erste Umsetzungen sind bereits da: iChange und Bamboo - Symbole für den fundamentalen Umbruch, in dem sich die Automobilindustrie weltweit befinde. "Mit innovativen Konzepten wollen wir den Anforderungen der neuen automobilen Zeit begegnen", so der Experte.

Foto: Ettlin