Faszinierende Möglichkeiten für Fasern, Textil und Licht

Selbstleuchtende Textilien, faserbasierende Lichtleiter, nachtleuchtende Textilbeschichtungen und viele weitere Innovationen sind auf dem Vormarsch.

Leuchtende Textilien
Foto: © Südwesttextil

Dieser Fortschritt eröffnet nicht nur in der Bekleidung neue Dimensionen, sondern auch in der Automobilindustrie, bei Heimtextilien, im Sicherheitsbereich oder in der Energie- und Umwelttechnik. Zu diesem Thema veranstaltete die AFBW Ende September die hochkarätig besetze Fachtagung „Fasern, Textil und Licht“ in der Filharmonie in Filderstadt.

Moderiert wurde das mit über 50 Teilnehmern gut besuchte Treffen von Stefan Thumm, Koordinator für Innovation, Technologie und Umwelt bei Südwesttextil und VTB, der die Fachtagung mit einem inspirierenden Impulsvortrag eröffnete. Eine wichtige Information aus diesem Vortag nahmen alle Teilnehmer mit: Forscherteams in den USA und China arbeiten bereits an faserbasierenden Solarzellen.
Björn Sobitschek von FLT Future Lighting Technologies stellte gleich zu Beginn die kommende Generation der Lichttextilien im Automobilbau vor: Eine Kombination aus LED-Technologie und in der Textilstruktur intergierte lichtleitende Fasern erschließen im Fahrzeuginnenraum neue Erlebniswelten.

Der Referent Gunther Frey vom Südwesttextil-Mitgliedsunternehmen Ettlin zeigte anhand des Ettlinlux-Systems, wie LED-Licht und Textil neue Raumwelten für den Nutzer entstehen lassen und selbst in Rückfahrscheinwerfern von E-Automobile integriert werden können. Faszinierende Tiefenwirkung inbegriffen! Neues von Ettlin kommt in Kürze im Bereich der textilen Beschattung von Gebäuden, die auf den jeweiligen Sonnenstand im Tages und Jahresverlauf optimiert sind.

Möglich wird dies alles durch Forschung und Entwicklung, und hier leisten die textilen Forschungsinstitutionen in Deutschland einen unschätzbaren Beitrag. Christoph Riethmüller, Experte vom DITF-Denkendorf, präsentierte von der selbstleuchtenden Faser bis hin zur Systemintegration textilbasierender Elektronik, was die größte textile „Daniel-Düsentrieb-Forschungszentale“ Europas so alles im Arsenal hat.

Dr. Thomas Bahners von DTNW spannte in seinem Vortrag einen ganz anderen „Lichtbogen“ und zeigte, wie Potenziale für lichtsammelnde und lichtleitende Fasern in Verbindung mit UV-LED-Technologien für faserbasierende Innovationen im Umweltschutz eigesetzt werden können. Der nächste Schritt ist jetzt, diese Technologie in Produkte umzusetzen.
Welche Rolle neuartige fluoreszierende Marker in Fasern für den vielfältigen Einsatz bei Produktsicherheitsthemen bzw. Plagiatsschutz haben, erklärte Jochen Fahr von der Polysecure GmbH. Insbesondere die Tracer-Lösungen für das sortenreine Recycling von PVC & Co. zeigen ein Anwendungsfeld dieser Lichtmarker-Technologie mit hohem Potenzial für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft.
Dass Licht als multiples Werkzeug in Laser-, Plasma- und UV-Technologien in der ökologischen Textilindustrie und Textilchemie-4.0-Produktion eine große Bedeutung haben wird und sich zu einer textilen Schlüsseltechnologie entwickelt, erläuterte Stefan Thumm in seinem zweiten Vortrag „TEXHUB 4.0“.

Alexander Biebel vom OLED/LCD Pigmentweltmarkführer Merck in Darmstadt steckte die Roadmap der Herausforderungen für textilbasierende OLED’s ab und stellte die faszinierende Technologie in einem imposanten Vortrag vor. Der Weg ist in dieser absoluten Reinraumtechnologie für Textilien steinig, aber nichts ist unmöglich, so der Fachmann.

„Faserbasierender Öko-Solarstrom ist machbar“, so das Fazit von Dr. Hans-Joachim Egelhaaf vom Bayrischen Zentrum für angewandte Energieforschung und Leiter der Solarfabrik der Zukunft am Energie Campus Nürnberg. Der in Tübingen wohnhafte Experte für gedruckte, organische Solarzellen beeindruckte die Teilnehmer mit seinem brillanten Vortrag. Für faserbasierende Solarzellen fehle es in Deutschland und Europa nur noch an Forschungspartnern, so der Experte. Es ist also höchste Zeit! Forschungspartner werden sich wohl bald finden lassen, denn während der Veranstaltung entfesselte sich ein erstes Brainstorming zwischen den Experten aus Forschung und Industrie. Alle Teilnehmer spürten diesen interdisziplinären Ideen-Puls der AFBW, der mehrfach in der Veranstaltung höherschlug.