Fasern in der Medizin

Die AFBW tagte in Bönnigheim

Fasern sind aus dem Medizin- und Gesundheitswesen nicht wegzudenken. Die Tagung "Fasern in der Medizin", organisiert von der Allianz Faserbasierte Werkstoffe Baden-Württemberg (AFBW) und ihren zehn Kooperationspartnern, darunter auch Südwesttextil, war mit mehr als 85 Teilnehmern sehr gut besucht. Die Themen der Veranstaltung reichten von der Wundbehandlung über bioresorbierbare Vliesstoffe bis hin zu Hohlfasern und nanoskalige Fasern für medizinische Anwendungen.

Die Gesundheit, ein gesellschaftlicher Megatrend der Gegenwart und Zukunft, lässt die Medizintechnik zu einem der interessantesten Wachstumsmärkte werden. Mit rund 40 000 Beschäftigten ist Baden-Württemberg bundesweit der beschäftigungsstärkste Standort in diesem Bereich. Auch deswegen lege die Landesregierung ein besonderes Augenmerk auf die Entwicklung von textilbasierten Hightech-Werkstoffen für medizintechnische Produkte, unterstrich Ministerialdirektor Rolf Schumacher, Wirtschafts- und Finanzministerium Baden-Württemberg, in seiner Begrüßungsrede.

In seinem Eröffnungsvortrag ging Chefarzt Dr. med. Wolf-Rüdiger Klare, Gesundheitsverbund HBH-Klinken, auf die Grundzüge moderner Wundbehandlung ein. Der Spezialist für die Behandlung offener Beine bei Diabetes vertritt die Auffassung, dass die richtige Wundbehandlung mit den passenden Materialien den Heilungsprozess maßgeblich beeinflusst. Prof. Dr. Michael Doser, ITV Denkendorf, präsentierte die neuen Ansätze bei funktionalisierten und regenerativen Materialien.

Einen interessanten Ausblick in die Zukunft der biofunktionalisierten Werkstoffoberflächen bot Prof. Dr. Martin Scholz, Leukocare AG. Er machte allerdings auch die Schwierigkeiten bei der Zulassung von Medizinprodukten für kleine und mittelständische Unternehmen sehr deutlich. Dr. Guiseppino Fortunato, Empa Swiss Federal Laboratories for Material Science and Technology, zeigte was von nano- und mikroskaligen Fasern für medizinische Anwendungen zu erwarten ist. Bioresorbierbare Vliesstoffe und deren Herstellung durch die Scaffolene Technology standen im Fokus beim Vortrag von Dr. Schlesselmann, Freudenberg New Technologies. Diese Technologie, die in Anlehnung an die Herstellung von Zuckerwatte entwickelt wurde, wird von Freudenberg überwiegend in B2B eingesetzt.

Neue Erkenntnisse bei der Entwicklung von faserbasierten Medizintextilien zeigte Prof. Dirk Höfer, Hohenstein Institut für Textilinnovation. Einen Einblick in die großtechnische Hohlfasermembranproduktion und klinische Anwendungsbeispiele gab Dr. Adriana Boschetti, Gambro Dialysatoren. Das Hechinger Unternehmen ist führend in der Entwicklung, Herstellung und Bereitstellung von Produkten und Therapien für die Nieren- und Leberdialyse. "Hohlfasern, die für den Patienten atmen: von der Herzoperation zur Lungenunterstützung" war das Thema von Dr. med. Georg Matheis, Novalung. Über "tissue engineering" sprach Prof. Dr. Hugo Hämmerle, NMI - Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut an der Universität Tübingen. Abschließend stellte Annahit Arshi, Karl Otto Braun, interessante Entwicklungen im Bereich der Verbandsstoffe und Binden vor.

Eine Begleitausstellung bot zusätzliche Informations- und Austauschmöglichkeiten.