FDP-Fraktionschef zum Gedankenaustausch bei Südwesttextil

Rülke zeigt sich für textile Anliegen aufgeschlossen

Soviel Zeit ist selten bei viel gefragten Politikern. Doch Fraktionsvorsitzender der FDP im Stuttgarter Landtag, Dr. Hans-Ulrich Rülke, wollte es genau wissen und verbrachte Ende Juni mehr als zweieinhalb Stunden mit Südwesttextil-Präsident Armin Knauer und Hauptgeschäftsführer Dr. Markus H. Ostrop, um sich über die Textil- und Bekleidungsindustrie im Land zu informieren. Anhand der eigenen Unternehmensgeschichte schilderte Knauer in groben Zügen die Entwicklung der Textilindustrie und hob die heutige Bedeutung der Betriebe insbesondere im Bereich der technischen Textilien hervor. Aber auch die Bekleidungsindustrie spiele eine herausragende Rolle in Baden-Württemberg. Als Pioniere bei der Globalisierung wisse die Branche um die Chancen und Risiken einer starken Außenhandelsorientierung. Der Auslandserfolg könne jedoch weitaus größer sein, würden sie nicht durch zahlreiche Handelshemmnisse ausgebremst, meinte Knauer.

Deshalb werbe Südwesttextil bei der Politik für die Schaffung fairer Handelsbedingungen. Dies gelte insbesondere im Verhältnis zu Indien, wo derzeit hohe tarifäre und nicht-tarifäre Hürden die Markterschließung behinderten.

Außerdem warb der Südwesttextil-Präsident für die Unterstützung bei der Reform der Ursprungsregeln, die dringend an moderne Technologien, Produktions- und Handelsstrukturen angepasst werden müssten. Andernfalls würde die heimische Industrie mit ihrer Produktion am Standort Baden-Württemberg benachteiligt.

In der Diskussion über einige innenpolitische Themen stimmte der FDP-Politiker der Einschätzung von Armin Knauer zu, wonach bei der Reform der Erbschaftsteuer eine größere Entlastung der Unternehmen wünschenswert gewesen wäre. Rülke, der vor der Übernahme des Fraktionsvorsitzes im letzten Jahr wirtschaftspolitischer Sprecher seiner Fraktion war, zeigte sich in wirtschaftlichen Dingen nicht nur kenntnisreich, sondern auch pragmatisch. So sehe die reine Lehre der Ordnungspolitik das Instrument der Kurzarbeit zwar kritisch. Gerade aber die letzten Monate hätten gezeigt, dass dadurch die Beschäftigung in den Betrieben hätte gesichert und die Arbeitslosenquote vergleichsweise niedrig gehalten werden können.

In einer guten Bildungspolitik sieht der FDP-Fraktionschef die Wirtschaftspolitik von morgen. Unsere Facharbeiter, unsere Ingenieure, unsere Betriebswirte und unsere Unternehmer müssten besser ausgebildet sein, als das bei unseren Konkurrenten der Fall sei. Rülke sprach sich dafür aus, mehr Geld in die Bildung und weniger in die Bildungsbürokratie zu investieren.

Am Ende versicherte sich die Runde, den aufgenommenen Gesprächsfaden fortzuspinnen.