Die Federfrau

Seit 20 Jahren ist Angelika Richter die „Federfrau“ und Leiterin des Labors bei der OBB Oberbadische Bettfedernfabrik in Lörrach.

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Foto: © Südwesttextil

Die 60-jährige Schwarzwälderin und gelernte Hotelfachfrau hat sich ihren Platz als Herrin der Gläser mit Federmuster und Füllmaterial hart erarbeitet. Sie spricht mit einem Augenzwinkern von sieben Jahren Lehr- und Vertrauenszeit. Die Liebe zur Feder an sie weitergegeben hat der Firmenchef und Lehrmeister Erich Schweigert persönlich. Und er wollte es immer ganz genau wissen. Seine Prüffrage: „Sind Sie sich sicher, Frau Richter? Wenn nicht, dann machen Sie es nochmal.“ Und um sicher zu gehen, hat sie am Anfang die Ware dann zur Gegenprüfung nach Hohenstein geschickt. Doch es kam immer das gleiche Ergebnis heraus. Heute genießt ihre Expertise im Haus das höchste Vertrauen.

Die OBB wurde im Jahr 1900 als „Erste Ostpreußische Bettfedernfabrik in Insterburg“ gegründet und 1948 auf dem ehemaligen Schöpflin Areal in Lörrach-Brombach als „OBB Oberbadische Bettfedernfabrik GmbH“ wiederaufgebaut. 1985 wird der einstige Lehrling Erich Schweigert Geschäftsinhaber, übernimmt 1996 die Balette Bettwarenfabrik Basel AG und treibt die Entwicklung zum Vollausstatter – vom Rohwareneinkauf bis zum Bettstück – voran. 2013 wird Bastian Roscheck Geschäftsführer und führt gemeinsam mit Ingrid Schweigert den erfolgreichen Kurs der OBB weiter, die ausschließlich am Standort fertigt.

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Jedes Jahr erfolgreich ist auch Angelika Richter beim „Rundversuch“ der EDFA, dem Verband der europäischen Bettfedern- und Bettwarenindustrie in Mainz. An diesem zertifizierten Test nehmen bis zu 14 Labore von Daunenbetten-Herstellern teil und nicht alle bestehen diese schwere Aufgabe. Anonymisiert bekommt jedes Labor eine unbekannte Ware gestellt und muss in einer vorgegebenen Zeit bestimmen, um welche Daune und Gattung (Ente oder Gans) es sich handelt und wie groß die Füllkraft und Sauberkeit ist. „Ich habe jedes Mal bestanden,“ erzählt sie stolz.

Die Übung macht die Meisterin, denn zu ihren täglichen Aufgaben gehört es, die Rohware zu testen.

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1. auf Fettgehalt: Zuerst wird mit Dichlormethan zwei Stunden das Fett aus der Feder filtriert, der Rundkolben vorher und nachher gewogen und so der Restfettgehalt bestimmt. Dann gibt sie an die Wäscherei die Info, wie die Feder gewaschen werden muss und überprüft das Ergebnis wieder mit gleichem Verfahren. Jede Feder braucht Restfett, sonst bricht sie, doch wie viel, das erfordert viel Geduld und Fingerspitzengefühl.
2. auf Sauberkeit: Im Schüttelapparat wird ein Spülgang simuliert und im Skalaglas bei 500 mm überprüft. Rein ist das destillierte Wasser ohne Federn.
3. auf Trübungsgrad: Im Skalaglas muss das Kreuz auf dem Boden sichtbar sein – unter 400 mm gibt es eine Reklamation.
4. auf Sauerstoffgehalt (biologische Sauberkeit): Nach dem Titrieren muss der Wert zwischen 1 und 20 liegen.
5. auf PH-Wert – neutral: Dieser Wert wird mit den Erfahrungen der Wäscherei abgeglichen.

Ihre größte Passion ist die 4-Gramm-Analyse. Hier zerlegt sie mit viel Geduld manuell über acht Stunden Daunen und Federn in ihre Einzelteile: in Daune, Feder, gebrochene Feder, Fremdbestandteile, Feder- und Daunenflug. Eine Kunst, die kaum noch jemand beherrscht. An wen sie dieses Wissen weitergibt? Sie hofft, dass sich jemand findet.