Feine Maschen und knappe Rohstoffe

Technischer Ausschuss von Gesamtmasche diskutiert Trends in Produktion und Beschaffung

Die zunehmenden Schwierigkeiten bei der Beschaffung textiler Rohstoffe und technische Problemstellungen bei der Garnverarbeitung waren die zentralen Themen des Technischen Ausschuss von Gesamtmasche am 29. Juni 2010. Auch die Mitglieder von Südwesttextil waren zu der Sitzung eingeladen, bei der Dieter Braun, Triumph International Spiesshofer & Braun KG, als Vorsitzender des Ausschusses durchs Programm führte.

Knapp 60 Unternehmensvertreter kamen an dem heißen Sommertag zum ITV Denkendorf, in dessen Räumen das Gremium tagte. Die rege Teilnahme spiegelt das große Interesse wider, das in allen Stufen der textilen Kette an den aktuellen Entwicklungen bei der Garn- und Faserversorgung besteht.

Der Vormittag war dem Thema „Feine Garne für Maschenwaren“ gewidmet. Der Trend zu ultrafeinen Maschenwaren nimmt stetig zu. Durch die extrem feinen Maschenkonstruktionen haben die Stoffe Funktionalität, sind dabei extrem weich, leicht und bleiben immer perfekt in Form.

Wolfgang Müller und Axel Brünner von Mayer & Cie. erläuterten den Stand der Technik bei Rundstrickmaschinen in sehr feinen Teilungen. Die passend feinen Stricknadeln stellte Eric Jürgens von Groz-Beckert vor. Präzisionsnadeln für Feinheit E 60-66 sind gerade einmal 0,2 mm dick.

Egon Dünser von der Firma Lenzing rundete den Themenkomplex durch seine Präsentation zu Viskosefasern und Garne für Rundstrickmaschinen in sehr feinen Teilungen ab.

Der zweite Teil der Veranstaltung widmete sich den aktuellen Problemen bei der Garnversorgung. Preissteigerungen und die mangelnde Verfügbarkeit bestimmter Faser- und Garnqualitäten in den Bereichen Natur- und Chemiefasern bereiten derzeit vielen Unternehmen große Probleme.

Andrea Stark und Michael Bandel von der TVU beleuchteten die aktuellen Trends am Weltbaumwollmarkt und zogen das Fazit, dass sich das Preisniveau aufgrund knapper Flächen und steigender Nachfrage auf lange Sicht nach oben verschoben hat.

Dr. Wilhelm Rauch von der Industrievereinigung Chemiefaser gab einen Überblick zur künftigen Chemiefaserbeschaffung. Welche Folgen die Rohstoffverknappung auf die Nutzung von Präferenzen im Rahmen von Freihandelsbeziehungen haben kann, erläuterte Silvia Jungbauer von Gesamtmasche.

Albert Schatz von TWD Fibres, Dietmar Heck von der Zwirnerei Untereggingen und Darius Naroska von Invista diskutierten abschließend im Podium und unter reger Beteiligung des Plenums die Verschiebungen im Weltfasermarkt: Steigende Rohmaterialpreise gefährden bei steigender Nachfrage die Versorgungssicherheit. Selbst Standard-Titer sind derzeit nur mit langen Fristen lieferbar, und im Zuge von Produktionsverlagerungen und Insolvenzen verschwinden bestimmte Garntypen ganz aus den Hersteller-Portfolios. Knappe Ressourcen, da waren sich alle Teilnehmer einig, müssen auch für den Endverbraucher ihren Preis haben. Über die schmal kalkulierten Margen der Branche können die Preissteigerungen jedenfalls nicht mehr aufgefangen werden.