Flexibilität in der Garnbeschichtung

Ende September fand das 14. Denkendorfer Schlichtereikolloquium mit einem deutlich breiteren Themenspektrum statt

Das Schlichten, d.h. die Kettgarnvorbehandlung für die Weberei, ist eine zentrale Technik der Textilindustrie und daher auch seit Langem Thema der Textilforschung in Denkendorf. Die Anfänge der Fachkolloquien, die mit Vorträgen der Industrie und dem Maschinenbau geprägt sind, reichen bis in die 70er Jahre zurück. Das 14. Denkendorfer Schlichtereikolloquium Ende September fand mit einem deutlich breiteren Themenspektrum statt: Neben der klassischen Schlichterei standen vor allem innovative Beschichtungen im Fokus, die Garnen spezielle Eigenschaften verleihen, damit diese etwa im Leichtbau oder als elektronische Bauteile eingesetzt werden können. Über einhundert Experten aus Industrie und Forschung tauschten sich in 20 Vorträgen über die neuesten Entwicklungen und Trends der Garnfunktionalisierung aus.

Nach der Begrüßung des internationalen Publikums durch Dr. Götz Gresser, Leiter des ITV Denkendorf, führte Dr. Thomas Stegmaier, Leiter des Forschungsbereichs Technische Textilien, Schlichterei und Garnbeschichtung, in das Thema ein. In seinem Einführungsvortrag zeigte er aktuelle Forschungsprojekte am ITV dazu zahlreiche konkrete Beispiele: Neben der kontinuierlichen Verbesserung der traditionellen Schlichterei, wo neben der Qualität immer auch die Energieeinsparung ein zentrales Thema ist, zielen neueste Forschungsvorhaben vor allem auf die Funktionalisierung von Garnen entweder um diese z. B. durch den Auftrag von Spinnpräparationen, klassischen Schlichten oder Spulölen für bestimmte Produktionsschritte optimal auszurüsten oder wie z. B. bei der Avivagen und Schlichten für Carbonfasern, eine bessere Haftung gegenüber der Matrix und damit eine höhere Belastbarkeit im Bauteil zu erzielen. Dazu wird am ITV auch mit Präparationen experimentiert, die Carbon-Nanotubes enthalten.

In den anschließenden Fachvorträgen standen zunächst Innovationen in der Schlichterei im Mittelpunkt. Etwa das neue Schlichteapplikationssystem PRO SIZE® der Firma Karl Mayer Rotal, das bis zur ITMA 2015 marktreif sein soll. Weitere Präsentationen beschäftigten sich mit der Garnbeschichtung und -ausrüstung. So stellt gerade die große Varianz der Anforderungen bei der Garnausrüstung von Hochleistungsfasern den Maschinenbau vor besondere Herausforderungen. Am Beispiel von Basaltfasern und Glas-Stapelfasergarn wurden die Eigenschaften moderner Hochmodulfasern und den sich daraus ergebenden besonderen Anforderungen an die Garnausrüstung und Beschlichtung ersichtlich.

Dr. Thomas Stegmaier betonte in seinem Schlusswort, dass die Referentenfindung zu diesen sehr speziellen Themen der Garnfunktionalisierung nicht immer einfach war. Angesichts der Dichte an zukunftsorientierten und innovativen Projekten habe sich diese Arbeit aber mehr als gelohnt, wie ihm auch zahlreiche Besucher in den Pausengesprächen bestätigten. Spätestens in drei Jahren wird es wahrscheinlich ein "15. Denkendorfer Garnbeschichtungs- und Schlichtereikolloquium" geben.

Foto: ITV Denkendorf