Förderung des innovativen Mittelstands

Finanz- und Wirtschaftsminister Schmid stellt 20-Punkte-Programm zur Stärkung des Technologietransfers vor

Finanz- und Wirtschaftsminister Dr. Nils Schmid möchte sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen, die sich Baden-Württemberg als innovativste Region Europas erarbeitet hat − laut Statistischen Landesamts liegt das Land auf Platz 1 mit deutlichem Abstand vor Bayern und der Region um Paris. Sein erklärtes Ziel ist es, diese Spitzenstellung zu verteidigen und weiter auszubauen. Das erklärte er am 20. November im Wirtschaftsministerium in Stuttgart bei der gemeinsamen Präsentation der Ergebnisse des „Wirtschaftsdialogs Technologietransfer“ mit Dr. Simone Schwanitz, Amtschefin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, BWHT-Präsident Rainer Reichhold, dem stellvertretenden Hauptgeschäftsführer der IHK Karlsruhe Gert Adler, Prof. Michael Auer, Vorstandsvorsitzender der Steinbeis-Stiftung für Wirtschaftsförderung, und Prof. Hugo Hämmerle von der Innovationsallianz Baden-Württemberg.

Ende 2013 hat der Wirtschaftsminister diesen Dialog ins Leben gerufen, um gemeinsam mit rund 30 Partnern aus Wirtschaft, Gewerkschaften, Wissenschaft und Verwaltung den Partnern ergebnisorientiert über die Förderung des Technologietransfers im Land zu sprechen. Herausgekommen ist ein 20-Punkte-Programm zur Stärkung des Technologietransfers, das sich in drei Handlungsfelder gliedert:

  1. Stärkere Einbindung von kleinen und mittleren Unternehmen in den Technologietransfer
  2. Förderung von Kooperationen zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen sowie zwischen Unternehmen
  3. Verbesserung der Rahmenbedingungen für Innovation und Technologietransfer.

Für dieses Programm stellt das Ministerium in den nächsten fünf Jahren insgesamt rund 120 Millionen Euro zur Verfügung, davon etwa 20 Millionen pro Jahr für den Ausbau der wirtschaftsnahen Forschungsinfrastruktur, z. B. für neue Fraunhofer-Institute. Mittel aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung und aus dem Europäischen Sozialfonds sowie die Beiträge der Dialogpartner stehen darüber hinaus zusätzlich zur Verfügung. „Die Entwicklung neuer Technologien ist nur der erste Schritt auf dem Weg zu erfolgreichen Innovationen. Die Ergebnisse der Forschung müssen auch in marktfähige Produkte und Verfahren umgesetzt werden. Deswegen brauchen wir einen gut funktionierenden Technologietransfer“, sagte Minister Schmid.

Vor allem der Mittelstand leiste einen wichtigen Beitrag zur Innovationsstärke des Landes. „Gerade vor dem Hintergrund der rasanten Entwicklungen im Bereich Digitalisierung und Industrie 4.0 sind besonders kleine und mittlere Unternehmen auf eine kompetente Unterstützung im Technologiebereich angewiesen“, so der Minister. Deshalb fördere das Land beispielsweise Technologietransfermanager bei Kammern und Wirtschaftsfördereinrichtungen, die kleine und mittlere Unternehmen bei ihren Innovationsvorhaben unterstützen und ihnen bei der Suche nach geeigneten Forschungspartnern helfen würden. Insgesamt stelle das Land hierfür bis zu fünf Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung zur Verfügung. Ein weiteres Beispiel sei die Einrichtung einer Anlaufstelle zum Technologietransfer für den Mittelstand bei der Innovationsallianz Baden- Württemberg, die vom Finanz- und Wirtschaftsministerium mit rund 590 000 Euro gefördert werde.

„Unsere Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sind wesentliche Innovationstreiber in der Wirtschaft. Insbesondere die forschungsstarken Unternehmen kooperieren mit der öffentlich finanzierten Forschung in Baden-Württemberg, weil sie die hohe Qualität zu schätzen wissen und die Grenzen zwischen Grundlagen und anwendungsorientierter Forschung immer mehr verschwinden. Über Technologietransferstellen, Verbundforschung oder Industry- On-Campus-Projekte gelangt dabei neues Wissen zielsicher vom Labor an die Werkbank“, sagte Ministerialdirektorin Dr. Simone Schwanitz. Aus diesem Grund sollen die Zentren für angewandte Forschung an den Hochschulen vom Wissenschaftsministerium bis zum Jahr 2022 mit 34 Millionen Euro gefördert werden. Darüber hinaus sollen gezielt Forschungseinrichtungen im ländlichen Raum Finanzmittel in Höhe von insgesamt 14 Millionen Euro bis 2020 erhalten.

„Firmen die kooperieren sind besser“, erklärte Prof. Hugo Hämmerle, Sprecher der Innovationsallianz Baden-Württemberg und Leiter des Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Instituts an der Universität Tübingen (NMI). Leider würden bislang nur 20 Prozent der mittelständischen Unternehmen mit Forschungseinrichtungen intensiv zusammenarbeiten. Diese Zahl müsse gesteigert werden, dabei könnten die Innovationsmanager helfen. Die Kernaufgabe der Innovationsallianz Baden-Württemberg (innBW) – einem starken Bündnis von zwölf unabhängigen Forschungsinstituten, darunter die Institute aus Denkendorf (ITV, ITCF, DITF-MR) und die Hohenstein Institute – sei der Transfer von Erkenntnissen und Wissen aus der Grundlagenforschung in die Wirtschaft. „Dabei liegt uns der Mittelstand besonders am Herzen. Mehr als 2 400 Industrieaufträge pro Jahr – davon 1 400 für KMU – sind ein sichtbarer Beleg dafür“, so Prof. Hämmerle. Mit neuen Initiativen wie beispielsweise den Transfer-Fabs wolle man einen wichtigen Beitrag zum Wirtschaftsdialog leisten.