Forscher verstehen zu feiern

Jubiläum, Einweihung und Auszeichnung in Denkendorf

"Sie werden gebraucht." Diesen Satz hörten die Denkendorfer Textilforscher bei ihren Feierlichkeiten mehrfach. Die Textilindustrie, die anderen Branchen, das Land, die Republik – sie alle profitieren von den Deutschen Instituten für Textil- und Faserforschung im Körschtal. Die Lobeshymnen erhielten die DITF für eine Dreier-Feier: Sie weihten den Erweiterungsbau ein, feierten das 90-jährige Bestehen des Instituts und erhielten zum dritten Mal die Auszeichnung "Ausgewählter Ort im Land der Ideen".

Am Vorabend begannen die Forscher mit dem Feiern in der Denkendorfer Festhalle. Dabei erhielt das Institut für Textilchemie und Chemiefasern den Preis "Ort im Land der Ideen" für seine Forschungen im Bereich Hochleistungsfasern. Die Leichtbaumaterialien, die das ITCF unter Leitung von Prof. Michael Buchmeiser entwickelt, werden in der Automobil-, Luft- und Raumfahrtindustrie eingesetzt.

Besonderes Highlight war die Modenschau, die der Studiengang Design der Hochschule Reutlingen unter der Leitung von Prof. Ehrenfried Hasenfuß präsentierte. Die Modenschau verband technische Inspirationen aus den DITF mit höchster modischer Performance. Die Kleidung wurde ins rechte Licht gesetzt.

Einen Tag später begrüßte DITF-Vorstand Prof. Heinrich Planck Vertreter aus Industrie und Politik zur Einweihung. Er erinnerte an die Gründung des Deutschen Instituts für Textilindustrie im Jahr 1921 in Reutlingen. Seit dem Zusammenschluss dreier Institute in Denkendorf 1980 sind die DITF das größte Textilforschungszentrum Europas, in dem rund 400 Menschen arbeiten. Ging es früher um einfache Garne, stehen heute technische Textilien im Vordergrund, die in Autos ebenso eingesetzt werden wie in der Medizin. 150 Festgäste lauschten den Reden und waren eingeladen, den Neubau zu besichtigen. 2,2 Millionen Euro hat der Erweiterungsbau gekostet, der 55 Büroarbeitsplätze und sieben Labors beherbergt. Hier werden die Themenschwerpunkte Nanotechnik, Klebeverbindungen, Biopolymere, Smart Textiles und Lichttechnik ausgebaut. Gleichzeitig wurde ein Leichtbauzentrum eingerichtet, in dem das zukunftsweisende Thema Faserverbundwerkstoffe voran getrieben werden soll.

Staatssekretär Thomas Rachel vom Bundesforschungsministerium wies in seinem Grußwort auf die Bedeutung der Textilbranche hin. Dank der technischen Textilien hätten sie einen neuen Platz gefunden, einen Spitzenplatz in Europa. "Vom Nylonstrumpf zum Flugzeugrumpf", so fasste Günther Leßnerkraus, Abteilungsleiter im Stuttgarter Ministerium für Wirtschaft und Finanzen, die Entwicklung der Textilforschung zusammen. Sie sei besonders wichtig für das Land, weil sie neue Materialien entwickle und damit auch neue Branchen schaffe.

Ohne die DITF wäre man nicht Weltmarktführer, sagte Heinz Horn vom Verband textil+ mode. Der industrienahe Forschergeist aus Denkendorf inspiriere die Betriebe, meinte Axel Nickel, Präsident von Südwesttextil.