Forschung mit nachhaltiger Perspektive

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann besuchte am 26. Februar Europas größtes Textilforschungszentrum – die Deutschen Institute für Textil- und Faserforschung Denkendorf (DITF) – und war beeindruckt von der interdisziplinären Forschung.

Das energieunabhängige Eisbärhaus: Prof. Gresser erläuterte dem Ministerpräsidenten, wie in dem Gebäude nach dem Prinzip des Eisbärfells mit Hilfe von Abstandstextilien Luft erwärmt und gespeichert wird.
Foto: Das energieunabhängige Eisbärhaus: Prof. Gresser erläuterte dem Ministerpräsidenten, wie in dem Gebäude nach dem Prinzip des Eisbärfells mit Hilfe von Abstandstextilien Luft erwärmt und gespeichert wird.
© DITF Denkendorf

„Nicht nur Maschinenbauer, Verfahrenstechniker und Chemiker, sondern auch Biologen, Kybernetiker, Informatiker und Wirtschaftswissenschaftler forschen gemeinsam entlang der gesamten textilen Produktionskette“, erklärte der Sprecher des Vorstands, Professor Götz Gresser, bei seiner Begrüßung. Mit ihren Innovationen unterstützen die DITF vor allem die kleinen und mittelständischen Unternehmen, die sich keine oder nur eine kleine eigene Forschungsabteilung leisten können. „85 Prozent der Mitarbeiter sind unbefristet beschäftigt. Dies ist ungewöhnlich für eine Forschungseinrichtung und garantiert unseren Industriepartnern langfristige und erfahrene Ansprechpartner“, so Gresser.

Der Schwerpunkt liegt auf anwendungsbezogener Forschung im Bereich technischer Textilien. Durch drei Lehrstühle und zwei Professuren sind die DITF auch eng mit der Universität Stuttgart und der Hochschule Reutlingen verbunden. Auf dem anschließenden Rundgang ließ sich Kretschmann die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Medizintextilien zeigen, von denen einige vor Ort von der ITV Denkendorf Produktservice GmbH, einer Tochter der DITF, für Industriepartner im Land produziert werden. Auch in anderen Forschungsbereichen sind die Technika mit Industriemaschinen ausgestattet, um nah an der industriellen Realität zu forschen und zu entwickeln. Dabei sind auch Null- und Kleinserienfertigung für die Industrie möglich. An einer der Webmaschinen wurden für endkonturnahe und komplexe Abstandsgewebe die industriellen Möglichkeiten aufgezeigt. Ein Beispiel für die Verwendungsmöglichkeit von komplexen Abstandsstrukturen ist direkt auf dem Institutsgelände zu sehen: das Eisbärhaus. Professor Gresser erläuterte dem Ministerpräsidenten, wie in dem energieunabhängigen Gebäude nach dem Prinzip des Eisbärfells mit Hilfe von Abstandstextilien Luft erwärmt und gespeichert wird.

Innovative und zukunftsfähige Branche mit Perspektiven in Zukunftsfeldern wie Nachhaltige Mobilität, Ressourceneffizienz, Gesundheit und Pflege oder bei Leichtbau-Technologien

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann über die Textilindustrie

Faserverbundwerkstoffe sind im Fahrzeugbau, der Luftfahrt und im Bauwesen gefragt, Stichwort: Leichtbau. Hier kommen hochfeste Keramik- und Carbonfasern ins Spiel, die im neuen „High Performance Fiber Center“, dem Hochleistungsfaserzentrum, entwickelt werden. Die Landesregierung will Baden-Württemberg zum „Leichtbauland“ ausbauen, weshalb die leichten und dennoch sehr festen Fasern, die Dr. Bernd Clauß von den DITF vorführte, auf besonderes Interesse stießen. Das Zentrum mit den weltweit modernsten Anlagen wurde vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) der Europäischen Union und dem Finanz- und Wirtschaftsministerium Baden-Württembergs gefördert Die Textilindustrie sei eine „innovative und zukunftsfähige Branche mit Perspektiven in Zukunftsfeldern wie Nachhaltige Mobilität, Ressourceneffizienz, Gesundheit und Pflege oder bei Leichtbau-Technologien“ so Kretschmann nach seinem Besuch der DITF.

Der Ministerpräsident wurde begleitet von den Landtagsabgeordneten Andrea Lindlohr und Andreas Schwarz, dem Stuttgarter Regierungspräsidenten Johannes Schmalzl, dem Bürgermeister von Denkendorf, Peter Jahn, sowie von Landrat Heinz Eininger.