Textiles Bauen zum Erleben und Anfassen

Seit Sommer steht auf dem Gelände der DITF in Denkendorf der ForschungsKUBUS für die Entwicklung von intelligentem Lichtmanagement und vertikaler Begrünung zur Verfügung. Darüber hinaus werden textile Flächen für verschiedene Anwendungen in der Architektur erprobt.

Im Rahmen der Vorstandssitzung, die im September zu Gast beim DITF war, besichtigte auch der Südwesttextil-Vorstand den ForschungsKUBUS.
Foto: Im Rahmen der Vorstandssitzung, die im September zu Gast beim DITF war, besichtigte auch der Südwesttextil-Vorstand den ForschungsKUBUS.

Die vier Wände des Gebäudes stehen in exakter Nord-Süd-Ausrichtung. Über das ganze Jahr werden automatisiert hochpräzise und am Sonnenstand ausgerichtete lichttechnische Kennwerte wie die Bestrahlungs- und Beleuchtungsstärke sowie Wetterdaten erfasst. Dank der busgesteuerten Elektroinstallation kann die Beleuchtung mit dem inneren und äußeren Sonnenschutz vernetzt und anhand der Wetterdaten automatisiert geregelt oder mit dem Smartphone manuell eingestellt werden.

ForschungsKUBUS DITF drinnen
Im Rahmen der Vorstandssitzung, die im September zu Gast beim DITF war, besichtigte auch der Südwesttextil-Vorstand den ForschungsKUBUS.

Neue Beschattungstextilien schützen vor direkter Sonneneinstrahlung und lenken gleichzeitig genügend wertvolles Tageslicht in den Raum, so dass auf künstliche Beleuchtung verzichtet werden kann. Die im Sommer unangenehme Wärmestrahlung wird von diesen speziellen Textilien effektiv abgelenkt, wodurch es im ForschungsKUBUS auch ohne Lüftungssystem angenehm kühl bleibt. Trotzdem wird die Sicht nach außen nicht merklich eingeschränkt. Integrierte textile Sensoren messen die Beleuchtungsstärke und steuern textilbasierte Aktoren, die die Beschattung abhängig vom Sonnenabstand einstellen.

In vielen Ballungsgebieten kann nur durch Nachverdichtung zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden. Dafür werden spezielle Baukonstruktionen benötigt, die im ForschungsKUBUS entwickelt werden. Textile Fassadensysteme sind leicht, flexibel und hochfunktional. Textile Dachkonstruktionen haben in Form von Membranbauten längst Einzug in dauerhafte Gebäude gefunden. Durch ihre Flexibilität und ihr geringes Gewicht bieten diese textilen Materialien eine große Wandelbarkeit wie kaum ein anderer Werkstoff und sind vor allem für Dächer von Stadien, Bahnhöfen und Flughäfen geeignet.

In dicht bebauten Innenstädten können vertikale Begrünungssysteme für gute Luft sorgen und Lebensraum für Insekten bieten. Am ForschungsKUBUS werden sogenannte „Living Walls“ entwickelt, auf denen Pflanzen in der Vertikalen kultiviert werden. Sie erhöhen nicht nur die Lebensqualität, sondern können durch ihr Wasserrückhaltevermögen auch im urbanen Wassermanagement genutzt werden. Neben der Entwicklung von Living Walls werden im ForschungsKUBUS auch Module für Mooswände erforscht, die zum Beispiel als Feinstaubsenke eingesetzt werden können. Damit die Systeme auch an bestehenden Gebäuden eingesetzt und montiert werden können, werden in Denkendorf textile Leichtbaulösungen entwickelt. Integrierte textile Sensoren erfassen für das Pflanzenwachstum wichtige Parameter und bilden so die Grundlage für eine Integration in die Gebäudeautomatisierung. Ziel ist es, autonome Vertikalbegrünungen zu entwickeln, bei denen durch eine bedarfsgerechte integrierte Bewässerung der Pflegeaufwand deutlich reduziert werden kann.