Franziska Kaiser

Die junge Designerin, die neben ausdrucksstarken Modebildern in ihren Instagram-Stories Einblicke in das Leben der Stuttgarter Kreativszene gibt, hat das Ziel, mit ihrem Accessoire-Label Arbeitsplätze und einen echten Mehrwert für ihre Kunden zu schaffen. Die Liebe zum Handwerk war ihr Haupttreiber für den mutigen Schritt in die Selbstständigkeit. All diese Gegensätze in Zeiten von Fast vs. Slow Fashion, digital vs. analog, klassisch vs. modisch verarbeitet Franziska Kaiser in ihrem Atelier zu beeindruckenden Taschen – alles Einzelstücke.

Franziska Kaiser Zeitung Juni 2020
Foto: © Franziska Kaiser

Mode und das kreative Handwerk begeistern die gebürtige Stuttgarterin seit ihrer Kindheit. Sie zeichnete und entwarf schon in jungen Jahren ihre ersten eigenen Kreationen und so manifestierte sich der Gedanke immer mehr, aus dem Hobby einen Beruf zu machen. Nach ihrer Ausbildung zur staatlich anerkannten Modedesignerin spürte sie, dass die Branche zwar die richtige war, fühlte sich bei der Verarbeitung von Textilien jedoch noch nicht richtig angekommen. Inspiriert durch die Arbeit mit Leder im Rahmen ihrer Abschlussarbeit, bewarb sie sich an der Fakultät für Gestaltung in Pforzheim für den Studiengang „Accessoire Design“.

Seit Beginn ihres Studiums bis hin zur Gründung ihres Labels im September 2018 liegt der jungen Unternehmerin der soziale Aspekt des Mediums Mode stark am Herzen. So beschäftigte sie sich für ihre Abschlusskollektion mit dem Thema „Sind Behinderungen ein soziologisches Konstrukt und lässt sich dieses Konstrukt durch das vermittelnde Element der Mode positiv beeinflussen?“ und der Bedeutung, sowie der Tragbarkeit von Accessoires für Menschen mit körperlichen Behinderungen. Sie experimentierte mit fehlenden Teilen bei den Accessoires und kreierte Modelle, die auf den Tragekomfort und den Ausgleich von visuellen Disbalancen ausgelegt waren. Die Accessoire-Designerin faszinierte besonders der andere Blickwinkel, welcher sich bei dieser Arbeit bot: als Designer bei der Ideenfindung nicht vom eigenen Standpunkt aus zu agieren, sondern den Träger des Produkts und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen.

Durch die Leidenschaft zum handwerklichen Arbeiten und dem Rohstoff Leder fand sie nach dem Studium den Weg in die Selbstständigkeit. Und so ist in den beiden Jahren seit ihrer Abschlusskollektion viel passiert: Franziska Kaiser beschäftigte sich mit der Zielgruppe ihrer Produkte und mit ihrer Identität als Designerin. So wurde aus dem ursprünglich gegründeten Label „Sheart“ die Qualität und Kreativität versprechende starke Marke „Franziska Kaiser“, aus den anfangs kreierten Herztaschen zum Dirndl Look wurden ausdrucksstarke Designertaschen, die den Stil und Charakter ihrer Gründerin und Designerin widerspiegeln. Ihre Philosophie: ein gutes Outfit wird erst durch die Kombination mit außergewöhnlichen Accessoires vervollständigt.

Modell Crossbody „Croco Grey“
Foto: Modell Crossbody „Croco Grey“
© Franziska Kaiser

Alle Taschen sind Einzelstücke und werden von ihr persönlich in ihrem Atelier in Stuttgart-Wangen aus Verschnittmaterial und Lederresten handgefertigt. Bei der Kreation von neuen Produkten beobachtet sie zunächst viel in ihrem Umfeld, schaut auf Trends im Streetstyle und in den Sozialen Medien. Letztendlich ist es aber vor allem ihr eigener Stil und das Material, das sie inspiriert. Farbe, Haptik und Struktur des Leders werden zueinander kombiniert und verschiedene Zusammensetzungen und Größen ausprobiert. So ist die Produktentwicklung in ihrem Atelier ein fließender Prozess, der stark durch die gegebenen Materialien beeinflusst wird.

An der Arbeit mit Leder fasziniert sie vor allem die Langlebigkeit und Natürlichkeit des Materials. Für Franziska Kaiser ist es wichtig, die Vorteile gegenüber anderen Materialien zu zeigen und vor allem auf lokales Sourcing Wert zu legen. Bei der Produktion in ihrer Manufaktur achtet sie darauf, möglichst wenig Verschnitt zu produzieren und selbst diesen noch zu verwerten. In einer Tasche stecken dann acht bis fünfzehn Stunden Handarbeit und bis zu fünfzig Arbeitsschritte. In der Entwicklung ihres Labels ist es für die junge Designerin sehr wichtig, zwischen dem hohen handwerklichen Anspruch für das Produkt und der Wirtschaftlichkeit für ihr kleines Unternehmen abzuwägen.

Aktuell besteht ihr Sortiment aus 15 Modellen in unterschiedlichen Variationen, welche individuell auf den Kundenwunsch abgestimmt werden können. Ab der Herbst-/Winterkollektion plant die Jungunternehmerin, sich von der Verarbeitung von Restmaterialien zu verabschieden und auf ökologisch hergestelltes Leder von terracare® umzusteigen. Das Besondere an diesem Leder ist, dass es so umweltschonend wie möglich aus deutscher Rohware produziert wird.

Bei der Herstellung des gesamten Ledersortiments sind aber auch soziale Aspekte entscheidend – weil neben der Umwelt der Mensch im Mittelpunkt steht. „Mir ist es wichtig meinen Kunden etwas zu geben, womit sie sich tatsächlich identifizieren können, etwas, wozu sie eine persönliche emotionale Bindung haben. Wir als Unternehmen, Produzenten und Designer können maßgeblich dazu beitragen, das Mindset unserer Kunden in dieser Hinsicht positiv zu beeinflussen, indem wir sie vom schnellen Konsum minderwertiger Güter hin zum Konsum von qualitativ anspruchsvollen, langlebigen und hochwertigen Waren führen.“

Aus diesem Grund ist die Auflage der jeweiligen Modelle limitiert und die Fertigung erfolgt, bis auf wenige Ausnahmen, nach dem Made-to-order Prinzip. Langfristig strebt sie an, ihre Manufaktur weiter aufzubauen und so Arbeitsplätze für andere Designer mit einer Passion für das Handwerk zu schaffen. Sie ist davon überzeugt, dass Langlebigkeit und Zeitlosigkeit wieder einen größeren Stellenwert gewinnen und somit auch die Wertschätzung für das Produkt.