Gemischte Gefühle

Freihandelsabkommen mit Vietnam

Anfang August haben sich die EU und Vietnam auf die Eckpunkte eines Freihandelsabkommens geeinigt. EU-Handelskommissarin Malström spricht vom Abbau fast aller Handelsbarrieren. Das Abkommen soll bis Jahresende unterschriftsreif sein und könnte schon Ende 2017 in Kraft treten. Vietnam gehört zu den größten Textilexporteuren weltweit. 2014 hat Deutschland Textilien und Bekleidung für 890 Mio. Euro aus Vietnam importiert – 75 Prozent mehr als 2010. Noch bremsen strenge Ursprungsregeln den Handel. Doch Vietnam rüstet seine Vorstufen auf, auch mit Geld aus China und Indien. Bald könnten vietnamesische Waren leichter zollfrei in die EU gelangen als deutsche Waren in die Schweiz. Dass Brüssel für EU-Hersteller schlechtere Konditionen aushandelt als für Importeure, stößt vielerorts auf Unverständnis.

Lokale Hersteller müssen ihre Arbeitsbedingungen verbessern

Phan Dang Tho, stv. Chefinspekteur des Arbeits- und Sozialministeriums

Unbehagen gibt es auch wegen mangelhafter Arbeits- und Sozialstandards. Während ausländisch investierte Betriebe entsprechende Vorschriften einhielten, böten Firmen in lokaler Hand häufig kein sicheres Arbeitsumfeld, heißt es selbstkritisch von der vietnamesischen Regierung. Freihandel auf Augenhöhe? Die nächsten beiden Jahre werden zeigen, wie ernst das Thema tatsächlich genommen wird.