Gespür für die textile Zukunft

Gutacher bestätigen Denkendorf und Hohenstein Kompetenz und Wirtschaftsnähe

Im Auftrag des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg hat eine unabhängige Gutachterkommission unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Helmut Hügel die wirtschaftsnahen Institute im Land bewertet. Die Evaluierung der Institute sollte die Kompetenz und den spezifischen Nutzen der Forschungseinrichtungen für Unternehmen und Wirtschaft überprüfen. Begutachtet wurden neben der Strategie der Institute Marktpositionierung, Wissenschaftsanbindung und Transferkompetenz.
Auch die beiden textilen Forschungsinstitute im Lande, die Deutschen Institute für Textil- und Faserforschung in Denkendorf (DITF) und das Bekleidungsphysiologische Institut in Hohenstein (BPI) wurden unter die Lupe genommen.

DITF Denkendorf
Die DITF erhielten für ihre Forschungsaktivitäten, die die gesamte textile Produktions- und Wertschöpfungskette abdecken, ausgezeichnete Noten. Die Gutachter aus Industrie, Wissenschaft und dem baden-württembergischen Wirtschaftsministerium zeigten sich beeindruckt von dem in der weltweiten Textilforschungslandschaft einmaligen Leistungsspektrum und der Marktnähe der Denkendorfer Forschungsarbeit.
In Denkendorf bewerteten die Gutachter die DITF, Europas größtes Textilforschungszentrum mit seinen Forschungseinrichtungen ITV, ITCF und DITF-MR. Nach Einschätzung der Gutachter agieren die DITF "sehr marktorientiert und erschließen sich erfolgreich relevante und wichtige Märkte." Ausdruck der erfolgreich betriebenen wirtschaftsnahen Forschung sei die große Zahl der Industrieprojekte. Besonderes Lob erhielt die gelungene Verzahnung von Forschung, Lehre und Anwendung und die sehr hohe Transferkompetenz. Die Wissenschaftsanbindung sei durch die enge Verflechtung mit universitären Einrichtungen und durch intensive Kontakte zu Fachhochschulen vorbildlich.
Positiv für die Forschungsleistung sei auch die Mitwirkung an den Clusterinitiativen des Landes sowie auf Bundesebene. Beeindruckende Kompetenzen seien in Bezug auf die vom Forschungskuratorium Textil identifizierten Leitthemen zu verzeichnen. "Den DITF ist es gelungen, interessante und zukunftsweisende neue Themen aufzugreifen, die gleichermaßen forschungs- wie marktorientiert abgeleitet sind", heißt es im Evaluierungsbericht. Das Verhältnis von Grundlagen- und industrienaher Forschung sei ausgewogen. Insbesondere überzeugten die Gutachterkommission die vorhandenen Kompetenzen in den Bereichen medizinische Textilien, Faserentwicklung und Management Research in der textilen Kette. Große Zustimmung der Gutachter fand auch die Einbindung von energie- und umweltrelevanten Aspekten in die Forschungsarbeiten.

BPI Hohenstein
Ebenfalls ein herausragendes Zeugnis wurde dem Bekleidungsphysiologische Institut Hohenstein e.V. (BPI) ausgestellt. Als besonders erfolgreich schätzt die Gutachterkommission in ihrem Abschlussbericht dabei erneut, wie schon 2002 und 2003, das es hervorragend gelinge, "den Spagat zwischen wissenschaftlicher Entwicklung und Industrienähe" zum Wohle vor allem kleinerer und mittlerer Unternehmen am Standort Baden-Württemberg zu meistern. Aus Sicht der Gutachter ist das BPI in der Lage, sich auch künftig wichtige Märkte zu erschließen, weil "Marktbedürfnisse zeitnah erkannt, aufgegriffen und bedient werden." Die beispielsweise "im Kontext der medizinischen Funktionalisierung von Textilien unter Nutzung der Synergieeffekte mit anderen vom Institut bearbeiteten Themen stellen eine Bereicherung" bei der Entwicklung "innovativer Produkte zum Nutzen der heimischen Wirtschaft" dar.
Angesichts der Auftragsstruktur mit einem hohen Anteil von KMU an Verbundprojekten sowie den zahlreichen Direktaufträgen aus der Industrie kommt die Gutachterkommission des Wirtschaftsministeriums zu dem Schluss, dass auch der Wissenstransfer am BPI erfolgreich realisiert wird. Als unverzichtbar werten die Gutachter darüber hinaus die Mitarbeit des BPI in Normungsgremien.
In ihrer zusammenfassenden Bewertung zeigt sich die Gutachterkommission von der hohen Qualität und guten Zielgerichtetheit der Arbeit des BPI überzeugt. Insbesondere sei es dem Institut erfolgreich gelungen, zukunftsfähige Themen aufzugreifen. Deshalb empfiehlt die Kommission eine deutliche Erhöhung der Grundfinanzierung des BPI, um beispielsweise den erforderlichen Ausbau der Vorlaufforschung zu ermöglichen und um auch die notwendigen und wichtigen Aktivitäten im Bereich der Normung weiterführen zu können.