Germany meets USA

Deutsch-amerikanisches Get-together auf der Techtextil

Silvia Jungbauer, Cornelia Frank, Lisa A. Vickers, Prof. Dr.-Ing. Götz T. Gresser und Ulrike Möller (v.l.n.r.).
Foto: Silvia Jungbauer, Cornelia Frank, Lisa A. Vickers, Prof. Dr.-Ing. Götz T. Gresser und Ulrike Möller (v.l.n.r.).

Deutsche und amerikanische Hersteller technischer Textilien nehmen eine internationale Führungsrolle ein. Da der Weltmarkt für technische Textilien stetig wächst und die Verflechtung in Produktion und Handel zunimmt, steigt der Bedarf auf beiden Seiten des Atlantiks, Synergien zu nutzen und noch enger zusammenzuarbeiten. Anstöße dafür erhielten rund 70 Aussteller und Besucher der Techtextil beim deutsch-amerikanischen Get-together auf dem baden-württembergischen Gemeinschaftsstand, zu dem Südwesttextil, Gesamtmasche und AFBW mit Unterstützung von Baden-Württemberg International zum Ausklang des dritten Messetages eingeladen hatten.

Cornelia Frank, Leiterin der Abteilung Außenwirtschaft und Standortmarketing Wirtschaft bei Baden-Württemberg International hieß Redner wie Gäste herzlich willkommen. Gastrednerin Lisa A. Vickers, Vize-Generalkonsulin der USA, betonte in ihrer Ansprache zu den deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen die Bedeutung einer noch engeren Kooperation. Bei ihrer Besuchstour rund um den Gemeinschaftsstand zeigte sie sich beeindruckt von der Produktvielfalt und Innovationskraft, mit der die Aussteller aus Baden-Württemberg aufwarten konnten. Im Gespräch wurde besonders ihr Interesse an ökologisch nachhaltigen Produkt- und Prozesslösungen deutlich. Auch die Baumwolle kam als klassisches US-Thema nicht zu kurz.

Für die deutsche Seite lieferte Prof. Dr.-Ing. Götz T. Gresser den Teilnehmern Impulse und zeigte die Chancen gemeinsamer Projekte in Forschung und Industrie auf. Er verwies auf das enorme Potenzial der Region Südwest mit Blick auf die dort ansässigen Hersteller hochwertiger und innovativer technischer Textilien in Kombination mit der textilen Forschungslandschaft. Gleichzeitig lud er Amerikaner wie Deutsche zu Kooperationen und Investitionspartnerschaften ein.

Aussteller und Gäste aus Deutschland, den USA und weiteren Ländern nutzten das anschließende Get-together als willkommene Plattform für den informellen Austausch. Kulinarisch begleitet von Chicken Wings und Rothaus-Bier dauerte die lebendige Unterhaltung bis nach Messeschluss. Erst das Sicherheits- und Reinigungspersonal gab das Zeichen zum Aufbruch. „Eine wirklich gelungene Veranstaltung“, lobt USA-Kennerin Cornelia Frank die Veranstaltung. Auch die Aussteller waren zufrieden. Die erste Einladung in die USA ist bereits erfolgt.

TTIP für High-Tex

Die USA zählen traditionell zu den größten Abnehmern der deutschen Textilbranche. Unter den Ausfuhrzielen deutscher Textilhersteller außerhalb der EU liegt der US-Markt auf Rang 2. Im Bereich der technischen Textilien gelten die Vereinigten Staaten als stärkster Absatzmarkt international. Neben den üblichen Hindernissen bei der Erschließung von Überseemärkten stößt die Branche jedoch auf hohe Zollmauern: 9 Prozent Zoll für verschiedenste Gewebe ist normal. Je nach Zusammensetzung und dem Einfluss lokaler Wettbewerber liegt der Zollsatz auch schnell einmal bei 15 Prozent und höher. Das ist mehr, als viele Staaten bei der Einfuhr textiler Fertigwaren erheben. Ein großes Thema gerade im Bereich der technischen Textilien sind zudem unterschiedliche Prüfstandards und technische Anforderungen. Das verdoppelt den Testaufwand und stellt insbesondere für mittelständische Unternehmen ein bedeutendes Handelshemmnis dar.

Abhilfe schaffen soll der Freihandelspakt TTIP, der Zölle senken und nichttarifäre Hindernisse abbauen soll. Alleine der Zollbereich bietet üppiges Potenzial. Dazu kommt die Chance, verschiedene Standards, Prüf- und Statistikmethoden anzugleichen. Auch die Textilkennzeichnung ließe sich weitgehend harmonisieren. Doch die Verhandlungen gestalten sich zäh und sind insbesondere in Deutschland harscher Kritik ausgesetzt. Inzwischen ist sogar, von Medien und Politik geflissentlich ignoriert, ein gewisses Murren aus Wirtschaftskreisen hörbar. Vor allem der Mittelstand fühlt sich durch eine Verhandlungsführung düpiert, bei der die EU ihre eigenen Positionen streng unter Verschluss hält. Input aus der Praxis? Fehlanzeige. Dadurch wird die technische Ausgestaltung weitgehend den Brüsseler Beamten überlassen. Dennoch: Mit TTIP werden deutsche Textilexporteure mit Sicherheit besser fahren als ohne.