Großer Bahnhof auf Schloss Hohenstein

Hanns Pielenz erhält Otto-Mecheels-Medaille

In Anwesenheit des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther H. Oettinger und des früheren Ministerpräsidenten Prof. Dr. Lothar Späth wurde am 27. Juli auf Schloss Hohenstein erstmals die Otto-Mecheels-Medaille für besondere Verdienste in Wissenschaft, Industrie und Gesellschaft vergeben. Ausgezeichnet wurde Hanns A. Pielenz für sein Lebenswerk und das seiner Familie. Pielenz war von 1968 Geschäftsführender Inhaber der Nähseidenfabrik Amann & Söhne (Amann Group) in Bönnigheim, bevor er das Unternehmen 2004 in eine gemeinnützige karitative Stiftung einbrachte.

Prof. Dr. Stefan Mecheels, Leiter der Hohenstein Institute in Bönnigheim, hat die nicht dotierte Auszeichnung in Gedenken an seinen Großvater Prof. Dr.-Ing. Otto Mecheels initiiert, der das internationale Textilforschungszentrums im Jahre 1946 gründete. Nach seiner Promotion hatte dieser bis 1929 als Färbereileiter bei Amann & Söhne gearbeitet.

In seiner Verleihungsrede betonte Prof. Dr. Mecheels die herausragende Stellung von Amann & Söhne bei der Entwicklung neuer Produkte und Herstellungsverfahren. Seit der Firmengründung im Jahr 1854 seien stets die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Produktion von Näh- und Stickgarnen eingeflossen. Sowohl bei Amann & Söhne als auch bei den Hohenstein Instituten handele es sich um Traditionsunternehmen, deren erfolgreiche Führung bereits seit mehreren Generationen in Händen der Inhaberfamilien liege.

In seiner Festrede betonte Ministerpräsident Oettinger deshalb die Bedeutung der Familienunternehmen für Wirtschaft und Gesellschaft in Baden-Württemberg. Er würdigte dabei das gesellschaftliche und kulturelle Engagement sowohl des Unternehmens Amann als auch der Hohenstein Institute. Dieses Engagement und die über viele Jahre hinweg gelebte persönliche Verbundenheit zwischen beiden Unternehmen mache Hanns Pielenz zu einem würdigen ersten Preisträger der Mecheels-Medaille.

Laudator und Südwesttextil-Hauptgeschäftsführer Dr. Markus H. Ostrop wies auf die konsequente und von strategischem Weitblick geprägte globale Ausrichtung des Unternehmens durch Hanns Pielenz hin. So habe er Amann auf der ständigen Suche nach neuen Märkten und neuen Chancen erfolgreich internationalisiert und den Aktionsradius über die gesamte Welt ausgedehnt. Neben seinem verantwortungsvollen unternehmerischen Wirken habe er sich aber auch der gesamten Branche und der Gesellschaft gegenüber in die Pflicht nehmen lassen. So habe Pielenz unter anderem 25 Jahre lang als Vorstandsmitglied von Südwesttextil Einfluss auf die industrie- und tarifpolitischen Geschehnisse der Branche genommen. Außerdem fördere die Hanns-Pielenz-Stiftung heute Projekte in den Bereichen Forschung, Kunst und Wissenschaft.

Sein Engagement für viele verschiedene kulturelle Einrichtungen, darunter auch das Festspielhaus Baden-Baden, stellte dessen Intendant Andreas Mölich-Zebhauser in den Mittelpunkt seiner Laudatio. Insbesondere sei Pielenz die Förderung des künstlerischen Nachwuchses ein Herzensanliegen, was nicht nur am Festspielhaus hoch geschätzt werde.

Wege, wie Deutschland aus der Krise lernen und gestärkt aus dieser hervorgehen könne, zeigte Lothar Späth in gewohnt kurzweiliger Manier mit seinem Redebeitrag auf. Mittelständische Unternehmen und dort speziell die inhabergeführten Betriebe bezeichnete auch er als zentrale Erfolgsfaktoren für das Land. Da bei ihnen der langfristige Unternehmenserfolg vor kurzfristiges Gewinnstreben gestellt werde und die Entscheidungswege kürzer seien, könnten sie schneller auf ein verändertes Marktumfeld reagieren.