Gut ausgebildete Texillehrer gesucht

Pädagogische Hochschule Freiburg untersucht die Lehrkräftesituation der Branche in Deutschland

Für eine zukunftsfähige Ausbildung der Jugendlichen in den verschiedenen Berufsfeldern der Textil- und Modeindustrie wird eine entsprechende Anzahl gut ausgebildeter Lehrkräfte benötigt. Diese Notwendigkeit sowie die Tatsache, dass derzeit nur noch an einer Hochschule in Deutschland die berufliche Fachrichtung Textil- und Bekleidungstechnik für das Lehramt an berufsbildenden Schulen studiert werden kann, motivierte die Pädagogische Hochschule Freiburg eine Studie zur Erhebung des Lehrerbedarfs im Berufsfeld durchzuführen. Unterstützt wurde die Studie von Südwesttextil.

Im März dieses Jahres startete Professorin Anne-Marie Grundmeier die Untersuchung mit 40 Interviews von Schul- und Abteilungsleitungen deutschlandweit, deren Ergebnisse jetzt vorliegen: Insgesamt besteht ein kleiner, kontinuierlicher Bedarf an Lehrkräften im Berufsfeld Textiltechnik und Bekleidung. An den Textilschulen werden Fachkräfte aus der textilen Welt mit pädagogischem Knowhow gesucht, die aufgrund des erwarteten Profils schwer zu finden sind. Der Personalbedarf an beruflichen Schulen mit Schwerpunkt "Modeberufe" ergibt sich vor allem durch den nach wie vor großen Schülerandrang. In den alten Bundesländern resultiert somit ein kontinuierlicher Lehrerbedarf, wenn auch auf geringerem Niveau. Es gibt auch im Textilsektor berufliche Bereiche, die einen Zuwachs haben wie z. B. Hersteller technischer Textilien, die am Standort Deutschland bleiben und somit Maschinen- und Anlagenführer Textil ausbilden.

Die ehemaligen Textil- und Bekleidungsstandorte in den neuen Bundesländern verzeichnen insgesamt einen starken Rückgang der Ausbildungszahlen. Grund hierfür sind die Schrumpfung der Textilindustrie und der demografische Wandel. In Sachsen sind derzeit etwa 60 Lehrstellen im Textilbereich unbesetzt Es gibt jedoch auch gegenläufige Entwicklungen wie beispielsweise in Thüringen.

Es bleibt festzuhalten, dass im Bereich der Lehramtsbildung die Situation im Berufsfeld Textiltechnik und Bekleidung ungenügend ist, da der - wenn auch bundesweit geringe - Bedarf an Lehrkräften derzeit nicht über profund wissenschaftlich ausgebildetes Lehrpersonal abgedeckt werden kann. Dafür spricht bereits heute, dass etwa zwei Drittel der Lehrpersonen in diesem Berufsfeld keine umfassend ausgebildeten Lehrkräfte sind. Die Ingenieurausbildung mit didaktischer Zusatzqualifikation, so wie sie entsprechend dem Bedarf in den verschiedenen Bundesländern praktiziert wird, erlaubt keine kontinuierliche Weiterentwicklung der Fachdidaktik in diesem Berufsfeld. Aus dem Strukturwandel und den diesbezüglichen Zielvorstellungen und Zukunftsstrategien der Textil- und Bekleidungsbranche entstehen jedoch veränderte Qualifikationsanforderungen an Auszubildende und Beschäftigte, die in der Lehrerbildung, angefangen vom beruflichen Lehramtsstudium bis hin zur Weiterbildung von Lehrkräften in beruflichen Schulen, im Sinne eines lebenslangen Lernens verankert werden müssen.

Zum aktuellen Zeitpunkt ist offen, ob der einzige noch verbliebene Standort der Lehramtsausbildung seinen Output nach einer Umorientierung auf Bachelor- und Masterstrukturen in der Weise erhöhen kann, um die deutschlandweite Lehrernachfrage für das Berufsfeld Textiltechnik und Bekleidung mit seinen Schwerpunktsetzungen Textil oder Mode befriedigen zu können.

Foto: Staatliches Berufliches Schulzentrum Textil und Bekleidung Münchberg-Naila