Hart, fair aber flüchtig

Baumann nimmt die deutsche Textilindustrie in Schutz

Hart aber fair - aber auch flüchtig und fahrig war die ARD-Talksendung von Frank Plasberg am 23. Januar. Zum Thema "Wer zahlt den Preis für Billig-Mode?" wurde der Handelskonzern H&M für Kinderarbeit und Sozialdumping an den Pranger gestellt. Tenor: Mit dem Klamottenkauf hierzulande unterstützt der Kunde die Ausbeutung in Asien. Sachargumente haben gegen mitleiderregende Bilder einer im Slum lebenden 12-jährigen Näherin bekanntlich keine Chance (O-Ton: "Unsere Träume sind zerschmettert").

Verstärkt durch eine engagierte Umweltaktivistin, die der Industrie charmant unterstellt, sie gehe nach Asien, "weil die Arbeitskräfte dort billig sind und man den Umweltschutz mit Füßen treten kann." Vieles in der Sendung wurde suggeriert und angedeutet, solide Recherche und verständliche Erklärung waren Mangelware.

Es war das Verdienst von Wolf-Rüdiger Baumann, die deutsche Textilindustrie gegen die Verallgemeinerung der Kritik in Schutz zu nehmen. Der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands textil+mode wies in der Sendung darauf hin, dass es hiesige Unternehmen seien, die durch ihre Auslandsfertigung auch höchste Qualitätsstandards exportieren würden. "Eine große Zahl von mittelständischen deutschen Bekleidungsherstellern achtet sehr darauf, dass nach bestimmten Werten und ethischen Maßstäben produziert wird", so Baumann.

Und auf die Frage des Moderators, wer es in der Hand habe für bessere Lebensbedingungen in den Entwicklungsländern zu sorgen, verwies der Verbandsgeschäftsführer klug auf die Errungenschaften der Globalisierung: Mit ihren Investitionen in diesen Ländern trügen die Firmen auch dazu bei, den Menschen Arbeit zu geben und sie in Lohn und Brot zu setzen. Fortschritt und Wachstum würden so vorangetrieben und ein gesunder Mittelstand geschaffen.