IG Metall: "Mehr muss her!"

Südwesttextil will rasche Tarifeinigung

Beim Geld sind Gewerkschaften griffig: "Mehr muss her!" lautet das knappe Motto, mit dem die IG Metall in die anstehende Textiltarifrunde zieht.

Für die rund 100 000 Beschäftigten der westdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie fordert die Gewerkschaft 5,5 Prozent mehr Geld. Begründung: Die Beschäftigten brauchen höhere Einkommen für ihre gestiegenen Leistungen, als Ausgleich für Preiserhöhungen und zur Steigerung der Kaufkraft. Die Lohnforderung wird in der Öffentlichkeit als vergleichsweise moderat angesehen. In Relation zu Branchen wie Stahl, Chemie oder Öffentlicher Dienst, in denen bis zu 8 Prozent mehr Geld verlangt werden, sei das geradezu "bescheiden", meint etwa die Financial Times Deutschland.

Das sehen die Unternehmen der Textil- und Bekleidungsbranche ganz anders."Der Vergleich mit boomenden Branchen ist wenig hilfreich", weist Holger Kappus, Sozialpolitischer Sprecher von Südwesttextil und Geschäftsführer der Coats Deutschland GmbH in Bräunlingen, die Forderung zurück. Entscheidend seien die konkreten Unternehmensergebnisse, um den möglichen Verteilungsspielraum seriös festlegen zu können.
Die erste Verhandlungsrunde findet am 30. Januar in Bad
Neuenahr statt.

Südwesttextil hat sich für zügige und ergebnisorientierte Tarifverhandlungen ausgesprochen. "Unser Ziel ist es, noch während der Friedenspflicht bis Ende Februar zu einem Ergebnis zu kommen", meint Kappus. Die zweite Runde ist für den 13. Februar terminiert, die dritte könnte am 25. Februar stattfinden.
Rückendeckung für einen moderaten Tarifabschluss bekommen die Arbeitgeber von Wirtschaftsexperten.

Das Institut der deutschen Wirtschaft hat die Entwicklung der Textilbranche untersucht und kommt zu dem Schluss, dass sich das Produktivitätswachstum verlangsamt habe. Lag der Produktivitätszuwachs je Stunde im Jahr 2006 noch bei 2,4 Prozent, dürften es im Jahr 2007 nur noch 1,3 Prozent und im Jahr 2008 1,1 Prozent sein. Außerdem leide insbesondere die Bekleidungsindustrie unter der allgemeinen Konsumschwäche. Trotz der Arbeitsmarkterholung werde auch im Jahr 2008 allenfalls eine Stagnation bei den Konsumausgaben der privaten Haushalte eintreten. Der Kaufkraftentzug durch die hohen Energiepreise in Verbindung mit der höheren Mehrwertsteuer habe der Konsumkonjunktur hier zu Lande unerwartet stark zugesetzt. Hinzu kommt, dass sich im Gefolge der Euroaufwertung der Importdruck aus dem asiatischen Raum zusätzlich erhöht.
So wird der gegenwärtige Aufschwung in Deutschland hauptsächlich vom Außenhandel der Industrie getragen. Trotz der guten Konjunktur sinke demnach der lohnpolitische Verteilungsspielraum. Deshalb, so Experten, komme es erneut darauf an, die Arbeitnehmer durch Einmalzahlungen und Gewinnbeteiligungen an der günstigen Konjunktur teilhaben zu lassen. Diese Entlohnungsvariante bietet den Vorteil, dass die Kostenbelastung der Unternehmen nicht dauerhaft ansteigt und der Rationalisierungsdruck im Konjunkturabschwung geringer ausfällt.